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Permafrost: Zehntausende Jahre altes Virus »wiederbelebt«

Im gefrorenen Boden Sibiriens oder Kanadas lagern zahllose Kadaver, totes Pflanzenmaterial und damit verbundene Keime. Manche überdauern auch lange Zeiten ohne Schaden.
Zwei russische Geologen tragen ein zirka 28 000 Jahre altes Mammutbaby. Die Mumie fand sich im sibirischen Permafrost.
Dieses Mammutbaby wurde im Permafrostboden gefunden. Mit ihm können Bakterien und Viren eingefroren worden sein.

Riesige Flächen auf der Nordhalbkugel werden heute noch von Permafrost dominiert: dauerhaft gefrorene Böden, die allenfalls oberflächlich auftauen. In ihnen eingeschlossen überdauern die Überreste von Tieren oder Pflanzen Jahrtausende fast unverändert – und mit ihnen auch die Bakterien und Viren, die sie einst in sich trugen. Einem Team um Jean-Marie Alempic vom CNRS in Marseille gelang es nun, 13 bislang unbekannte Virentypen aus entsprechenden Proben nachzuweisen und wieder zu aktivieren, wie die Arbeitsgruppe in einer noch unveröffentlichten Studie auf dem bioRxiv schreibt.

Bei einem der Viren schätzen die Forscher, dass es 50 000 Jahre im Eis überdauert haben könnte, bevor es im Labor in Zellkulturen erneut virulent wurde – ein neuer Weltrekord. Das gleiche Team hatte zuvor ein 30 000 Jahre altes Virus aus dem Permafrost wiedererweckt. Bei dem aktuellen Rekordhalter handelt es sich um ein Amöben infizierendes Riesenvirus, das nun den Namen Pandoravirus yedoma trägt. Es ist so groß, dass es bereits mit einem normalen Lichtmikroskop nachgewiesen werden kann, und stammt aus einer Bodenprobe, die unterhalb eines arktischen Sees genommen wurde.

Auch die weiteren Viren infizierten Amöben in Zellkulturen und wurden damit nach dem Auftauen erneut virulent. Das Team hatte sie unter anderem aus der Wolle von Mammuts und den Eingeweiden eines eingefrorenen Wolfs isoliert. Alempic und Co schätzen, dass es noch tausende unbekannte Viren im Permafrost geben könnte, von denen manche womöglich auch Menschen infizieren könnten. Angesichts der zunehmenden Nutzung der Permafrostgebiete und des Klimawandels, der die Böden verstärkt auftauen lässt, drohten hier also gewisse Risiken, schreiben die Forscher.

Die Permafrostgebiete der Erde – neben Kanada und Sibirien finden sie sich auch in Hochgebirgen und -ebenen wie in Tibet – gehören zu den global vom Klimawandel am stärksten beeinflussten Regionen. In den letzten Jahren beobachtete man verstärkt, dass sich riesige Löcher im Boden öffnen, weil Methanblasen entweichen, oder arktische Seen schrumpfen, weil sie im auftauenden Boden versickern.

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