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Stressfragen in Jobinterviews: Personaler überwiegend »von Narzissmus und Sadismus getrieben«

Knifflige Frage, die Bewerber aus dem Konzept bringen sollen, verraten nur wenig über die Eignung des Jobinteressenten. Aber viel mehr über den Interviewer selbst.
Typische Bewerbungsgesprächssituation

»Wie viele Fenster gibt es in New York?« oder »Warum sind Kanaldeckel rund?«: Bei solchen Fragen sollen Bewerber ins Schwitzen geraten und dann unter Beweis stellen, dass sie trotzdem noch logisch oder kreativ denken können. Über ihre Eignung für eine Stelle sagt das allerdings wenig bis gar nichts aus, haben psychologische Studien ergeben. Dass sie im Gegenteil viel mehr über die Interviewer verraten, zeigen nun Wissenschaftler um Scott Highhouse von der Bowling Green State University.

Jenen Personalern, die auf solche Stressfragen zurückgreifen, attestieren die Forscher »dunkle Motive«: Narzissmus und Sadismus seien die treibenden Kräfte dahinter. Offenbar finden die Interviewer Gefallen daran, die ungleichen Machtverhältnisse beim Bewerbungsgespräch auszunutzen, um die Kandidaten unter Druck zu setzen.

Das ergab sich aus einer Befragung von 736 Berufstätigen, denen Highhouse und Kollegen eine Liste typischer Bewerbungsfragen vorlegten. Die Teilnehmer mussten angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eine gegebene Frage einsetzen würden. Zudem galt es, einen Fragebogen zur Persönlichkeit auszufüllen. Die Wahrscheinlichkeit, auf Stressfragen zurückzugreifen, ließ sich mit einem Persönlichkeitsmerkmal korrelieren, das die Forscher als »Gefühlskälte« bezeichnen. Die Ergebnisse publizieren sie nun im Fachblatt »Applied Psychology«.

37/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2018

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