Pferde: Wissenschaftler enthüllen das Geheimnis des Wieherns

Die Lautäußerungen von Pferden sind anders als die vieler anderer Arten im Tierreich. Nun glauben Wissenschaftler, den Grund dafür entdeckt zu haben: Pferde wiehern, indem sie gleichzeitig Töne in zwei Frequenzen erzeugen – ähnlich wie beim gleichzeitigen Singen und Pfeifen.
Die Ergebnisse, die im Fachmagazin »Current Biology« veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass Pferde die Töne auf zwei unterschiedliche Arten in ihrem Kehlkopf hervorbringen. Ein niederfrequenter Ton von etwa 200 Hertz wird durch die Vibration der Stimmbänder erzeugt, genau wie beim Singen. Ein hochfrequenter Ton von mehr als 1000 Hertz entsteht durch eine Art Pfeifen im Kehlkopf.
Im Allgemeinen gilt: Je größer ein Tier – und sein Kehlkopf – ist, desto tiefer ist die Frequenz der von ihm erzeugten Laute. Kleinere Tiere wie Mäuse beispielsweise verständigen sich eher über hochfrequente Pfeiftöne. Die aktuelle Studie lege jedoch nahe, dass Pferde in ihrer Fähigkeit, zeitgleich zu pfeifen und ihre Stimmbänder vibrieren zu lassen, einzigartig sind, schreiben die Autoren. »Wir wissen nun endlich, wie die beiden Grundfrequenzen, aus denen sich ein Wiehern zusammensetzt, entstehen«, sagte Élodie Briefer, Professorin am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Kopenhagen und Mitautorin der Studie, in einer Pressemitteilung.
Sue McDonnell, Professorin für Fortpflanzung und Verhalten an der University of Pennsylvania, die nicht an der Forschung beteiligt war, sagte gegenüber der »New York Times«: »Dies wird eine wegweisende Veröffentlichung sein, um die Forschung zu Lautäußerungen bei Pferden anzuregen und zu vertiefen.«
Die Ergebnisse scheinen die Theorie zu stützen, dass Pferde möglicherweise mehrere Botschaften über eine einzige Lautäußerung kommunizieren. »In der Vergangenheit haben wir bereits festgestellt, dass die beiden Frequenzen für Pferde wichtig sind, da sie unterschiedliche Emotionen vermitteln«, erläutert Briefer. »Wir haben nun überzeugende Beweise dafür, dass sie auch durch unterschiedliche Mechanismen erzeugt werden.«
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