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Abwehrmechanismen: Pflanzen verteidigen gegen ausgestorbene Feinde

Ausgestorben: Der ElefantenvogelLaden...
Bestimmte auffällige Wuchsmerkmale zweier alter Pflanzengruppen in Neuseeland und Madagaskar deuten Forscher als Relikte einer mittlerweile überflüssig gewordenen Verteidigungsstrategie. Sie schützte einst offenbar vor pflanzenfressenden Riesenvögeln, die in beiden Regionen aber längst ausgestorben sind, meinen William Bond von der Universität Kapstadt und sein Kollege John Silander von der Universität von Conneticut.

Die beiden Forscher hatten neuseeländische Pflanzen mit einer so genannten divarikaten Ast-Architektur analysiert, die sich zum Beispiel durch eine sehr weitwinkelig auseinanderstehende, eher dünne und wenig belaubte Verzweigung auszeichnet. Dies wurde bislang entweder als Anpassung an kühle Klimate angesehen oder als eine Verteidigung gegen die zu der Familie der Dinornithidae zählenden Moas, einer ausgestorbenen Gruppe flugunfähiger Riesenvögel.

Nun entdeckten die Forscher aber auch im viel wärmeren Madagaskar Arten aus 25 Familien und 36 Gattungen von Pflanzen, die alle nicht mit der neuseeländischen Vegetation verwandt waren, dennoch aber der Neuseelandgruppe auffallend ähnliche Wuchsmerkmale zeigen. Bond und Silander erklären dies daher mit konvergenter Evolution: Die Pflanzen hätten ihre Aststellung gegen die einst auf Madagaskar lebenden Elefantenvögel (Aepyornithidae) entwickelt und sich so mit den selben Mitteln gegen eine ähnliche Bedrohung gewehrt wie die Neuseeländer gegen die Moas.

Im nahen Afrika, wo wenige große Laufvögel überlebten, zeigen selbst weitläufig verwandte Pflanzen in ähnlichen ökologischen Nischen keine der charakteristischen Architekturmerkmale. Die ausgestorbenen, ehemals in bis zu zwölf Arten vertretenen, flugunfähigen Elefantenvögel oder Madagaskarstrauße sind bis zu 450 Kilogramm schwer geworden und zwei bis drei Meter hoch gewachsen. Die Vegetarier hatten auf ihrer Insel bis auf Nilpferde keine Unpaarhuferkonkurrenz und stritten sich nur mit Lemuren und Schildkröten ernsthaft um Grünzeug-Nahrung, bis sie ungefähr um 1650 ausgerottet wurden. (jo)
01.06.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01.06.2007

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