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News: Pharma-Eiweiß aus der Tabakswurzel

Pflanzen als Biotech-Fabriken bereiten der Forschung noch Probleme: Die Wirkstoffe lassen sich nur sehr schwer aus den Blättern und Knollen herausbekommen. Amerikanische Biotechnologen entwickelten nun Tabakpflanzen, die ihre Pharmaprodukte freiwillig abgeben.
Im Labor des Biotech-Center an der Rutger University in New Jersey haben die Forscher Tabakpflanzen in ein Wasserbad gehängt. Der Biotechnologie-Professor Ilya Raskin erklärt warum: "Wir haben beobachtet, daß Pflanzen in Hydrokultur ständig Eiweiße ins Wasser abgeben. Sie pumpen sie aus den Zellen, genau wie Kühe ständig mit der Milch Eiweiße in den Euter pumpen."

Diese Eiweißpumpe nutzen Raskin und seine Mitarbeiter für ihre Zwecke. Sie veränderten die Pflanze so, daß sie andere als die natürlichen Eiweiße ins Wasser pumpen: Bakterieneiweiße, Fischeiweiße, menschliche Eiweiße. Dazu haben sie mittels Gentechnik die Gene für die fremden Eiweiße in die Tabakpflanzen eingeschleust und sie mit dem richtigen genetischen Vorspann verbunden – dem sogenannten Promotor. Ilya Raskin: "Wir haben Standard-Promotoren verwendet. Sie sagen der Pflanze, daß sie dieses Eiweiß herstellen soll. Außerdem benutzen wir sogenannte Signalpeptide. Sie befehlen der Pflanze, daß sie die Eiweiße nach draußen pumpen soll." Das Verfahren funktionierte. Mit dem richtigen genetischen Vorprogramm für die Signalpeptide gelang es den Biotechnologen, die Tabakpflanzen davon zu überzeugen, genau die Eiweiße ins Wasser zu pumpen, deren Gene sie gerade neu erhalten hatten.

Ob sich teure Pharmaeiweiße wie Impfstoffe, Hormone, Wachstumsfaktoren oder Antikörper genausogut ins Wasser pumpen lassen wie die Modelleiweiße, das wollen die Forscher als nächstes herausfinden. Gegenüber anderen pflanzlichen Bioreaktoren hat die Hydrokultur klare Vorteile. Zum einen liefert sie ständig frisches Eiweiß, ohne daß die Pflanzen geerntet und neu gesät werden müssen. Zum anderen entfällt die lästige Trennung der teuren Pharmaprodukte von den natürlichen Pflanzeneiweißen.

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