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Geoarchäologie: Phönizische Häfen wiederentdeckt

Hafen von Tyros
Anhand von Sedimentbohrkernen haben Forscher die alten Häfen von Tyros und Sidon unter den Zentren der heutigen Städte aufgespürt. Nick Marriner vom Europäischen Zentrum für geowissenschaftliche und Umweltforschung in Aix-en-Provence und seine Kollegen rekonstruierten die damalige Küstenlinie des Libanon und konnten so die wahrscheinliche Lage der phönizischen Hafenanlagen ableiten. Die ehemaligen Meeresbereiche sind längst unter eingeschwemmten Sedimenten begraben: Sidon hat sich weiter ins Mittelmeer ausgedehnt, und die einstige Insel von Tyros ist inzwischen mit dem Festland verbunden.

Bohrkern | Mit dem Bohrer auf der Suche nach Hinweisen aus ehemaligen Hafenzeiten: Was einst ein gefasstes Meeresbecken glanzvoller Hafenstädte war, ist heute unter Sedimentschichten begraben.
Die Forscher hatten in Tyros 25 und in Sidon 15 Bohrkerne gezogen und die einzelnen Schichten anhand darin enthaltener Samen, Holz- und Kohlestückchen sowie Muschelschalen mit der Radiokarbonmethode datiert.

Wie die Sedimentschichten bestätigen, reicht die Geschichte der beiden Hafenstädte bis in die Mittlere Bronzezeit ins vierte Jahrtausend v. Chr. zurück. Natürliche Dämme und Buchten ermöglichten kleinen Booten das Anlegen, die Waren von größeren, weiter draußen ankernden Schiffen an Land brachten. Wahrscheinlich legten die Bewohner auch bereits erste Befestigungen an. Im ersten Jahrtausend v. Chr. zwangen steigende Meeresspiegel und intensiverer Handel die Phönizier, künstliche Hafenanlagen zu bauen. Gleichzeitig damit stieg der Eintrag von Sedimenten.

Alter Damm von Tyros | Der alte Damm von Tyros
Nach der Eroberung 332 v. Chr. durch Alexander den Großen wurden die Hafenanlagen der beiden Städte weiter ausgebaut. Aufgrund veränderter Landnutzung verzehnfachte sich allerdings zu Zeiten der Römer ab 64 v. Chr. die Sedimentationsrate, und die Verlandung der Hafenbecken wurde zu einem ernsthaften Problem. Das Fehlen ganzer Schichten auch früherer Zeiten belegt, dass die Besitzer versuchten, durch Ausbaggern die Häfen nutzbar zu halten. Gleichzeitig demonstriert die Zusammensetzung der Muschellebensgemeinschaft, dass die Bedingungen nun eher Brackwasser entsprachen.

Mit dem Ende der byzantinischen Herrschaft im Mittelalter begann der Niedergang der beiden Städte. So zeigen beispielsweise Muschelarten des offenen Meeres, dass die Schutzanlagen nicht mehr gepflegt wurden und mit frei einströmendem Wasser die marine Lebewelt die zuvor brackige ersetzte.

Tyros – früher und heute | Tyros 1950 (oben) und heute (unten)
Über die Lage der alten phönizischen Häfen wird schon seit dem 17. Jahrhundert heftig spekuliert. 1939 behauptete der französische Archäologie und Luftbildfotograf Antoine Poidebard, den südlichen Hafen von Tyros gefunden zu haben, der nun unter Wasser liege. Wahrscheinlich handelte es sich dabei aber um einen alten Teil der Stadt, meinen Marriner und seine Kollegen. Die unsichere politische Lage hatte die letzten Jahrzehnte die Forschung vor Ort erschwert.

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