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Umweltschutz: Phosphatmine bedroht Inselparadies

Die australische Weihnachtsinsel ist ein Zentrum der Artenvielfalt - und eine große Lagerstätte von Phosphat. Diese soll nun weiter ausgebeutet werden, auf Kosten des Regenwaldes.
Verkehrsgefahr durch Weihnachtsinsel-KrabbenflutLaden...

Etwa 1500 Kilometer nördlich von Australiens Westküste liegt die Weihnachtsinsel im Indischen Ozean – mit 135 Quadratkilometer Fläche nur ein winziger Bruchteil des australischen Staatsgebiets und doch Schauplatz eines der am heftigsten diskutierten Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie des Landes. Große Teile des Eilandes sind von dichtem Regenwald bedeckt, in dem zahlreiche einzigartige Tier- und Pflanzenarten leben, von denen die alljährlich zu Millionen an die Küste ziehenden Roten Landkrabben vielleicht die berühmtesten sind. Gleichzeitig steht das Ökosystem auf reichhaltigen Phosphatvorkommen, deren Abbau einen großen Teil zur Wirtschaftskraft der Insel beigetragen hat. Da sich die Vorräte der Mine langsam dem Ende zuneigen, wollen ihre Betreiber neue Flächen erschließen, was auf heftigen Widerstand von Umweltschützern stößt. Eine Petition von Birdlife Australia soll verhindern, dass weiteres Staatsland für den Phosphatabbau geöffnet wird.

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Graufußtölpel auf dem Nest | Diese Seevögel nisten in den höchsten Bäumen des Regenwaldes auf der Weihnachtsinsel. Doch diese wachsen ausgerechnet in den Gebieten mit den reichsten Phosphatvorkommen. Naturschützer und Minenbetreiber streiten daher erbittert, ob diese Flächen für den Abbau freigegeben werden dürfen oder nicht.

Seit 1987 ist der weitere Abbau auf Staatsland eigentlich untersagt, doch das Bergbauunternehmen Christmas Island Phosphates versucht seitdem, dieses Verbot vor Gericht und politisch zu Fall zu bringen. Aktuell debattiert die australische Regierung einen neuen Antrag der Firma. Kritisch aus Sicht der Naturschützer ist vor allem ein Faktor: Der artenreichste und ökologisch wertvollste Regenwald stockt auf den reichhaltigsten Phosphatvorräten. Nach der Ausbeutung der Rohstoffe erholt sich das Ökosystem über lange Zeit nicht mehr, weil der Boden und die Nährstoffe fehlen. Besonders betroffen sind davon zwei endemische Seevogelarten, der Weißbauch-Fregattvogel (Fregata andrewsi) und der Graufußtölpel (Papasula abbotti). Sie brüten auf den höchsten und ältesten Bäumen des Waldes. Selbst wenn diese nicht abgeholzt werden und als einzelne Niststandorte stehen bleiben, verringert sich ihr Bruterfolg beträchtlich: Wind und Hitze nehmen ohne den umgebenden Wald zu und zerstören Nester oder töten Küken. Die Ökologen wehren sich deshalb gegen weitere Rodungen. Sie verweisen dabei auch darauf, dass die Insel bereits zahlreiche Arten verloren hat – darunter je vier der fünf einheimischen Säugetiere sowie Reptilien.

In Gefahr ist zudem der jährliche Marsch der roten Weihnachtsinsel-Krabben (Gecarcoidea natalis), die im Regenwald leben und immer im November oder Dezember an die Küste wandern, um im Indischen Ozean zu laichen. Dieses Schauspiel wird bereits durch eingeschleppte Gelbe Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes) aus Afrika bedroht, die auf der Insel mittlerweile so genannte Superkolonien mit hunderten Millionen Individuen bilden und Jagd auf die Krustentiere machen. Der mit dem Rohstoffabbau verbundene Verkehr – inklusive der internationalen Frachtschifffahrt – könnte weitere invasive Arten auf die Insel bringen oder schon vorhandene Exoten leichter verbreiten, befürchten die Ökologen.

Auf der anderen Seite verweisen Politiker und das Unternehmen auf den wirtschaftlichen Schaden, den ein Ende des Abbaus verursachen wird. Gefährdet sind rund 100 Arbeitsplätze in der Mine selbst sowie weitere im direkt damit verbundenen Umfeld. Gordon Thomson, der Vorsitzende des Inselrates, befürchtet sogar einen wirtschaftlichen und demografischen Zusammenbruch der Weihnachtsinsel, sollte die Regierung keine neuen Gebiete für den Abbau öffnen. "Wir lassen es nicht zu, dass die Insel entvölkert und den Vögeln überlassen wird", so Thomas gegenüber ABC Australien.

Kritiker werfen allerdings ein, dass sich die Politik vor Ort und der Minenbetreiber eigentlich schon seit 1987 auf ein Ende des Abbaus hätten einstellen müssen – die Suche nach Alternativen wurde jedoch nie richtig vorangetrieben. Die Insel befinde sich nur 90 Minuten Flugzeit von wichtigen asiatischen Metropolen wie Singapur entfernt und könnte auf Gesundheits-, Wellness- und Naturtourismus setzen. Letzterer ist bereits ein Wachstumsmarkt, da viele der Besucher momentan wegen der Krabben, zum Tauchen oder zur Vogelbeobachtung kommen. Und die Ökologen verweisen auf eine weitere Insel als mahnendes Beispiel: Der Pazifikstaat Nauru wies vor wenigen Jahrzehnten ebenfalls reiche Phosphatvorkommen auf und gehörte durch den Verkauf zu den wohlhabendsten Nationen der Erde. Als die Vorräte erschöpft waren, blieb eine Wüste zurück – und der Wohlstand verschwand völlig.

51/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 51/2017

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