Zeitreisen: Physiker finden Weg, Nachrichten in die Vergangenheit zu schicken

Wenn man schon nicht persönlich in der Zeit zurückreisen kann, ließe sich unter bestimmten Umständen zumindest eine Nachricht an das jüngere Ich schicken. Aus mathematischer Sicht spräche nichts dagegen, haben drei Physiker im renommierten Fachjournal »Physical Review Letters« argumentiert. In ihrer am 11. Juni 2026 erschienenen Arbeit rechneten sie vor, wie das durch das quantenmechanische Phänomen der Verschränkung möglich wird, zusammen mit einer exotischen Struktur der allgemeinen Relativitätstheorie.
Laut Einsteins Theorie lässt sich das Geflecht von Raum und Zeit krümmen – in extremen Fällen so stark, dass das Ende einer Reise am selben Zeitpunkt liegt wie ihr Anfang. Ein System in einer solchen »geschlossenen zeitartigen Kurve« könnte mit der Umgebung seiner eigenen Vergangenheit wechselwirken.
Paradoxe Situationen wären die Folge. Ein Zeitreisender könnte seinen Großvater töten und somit nie geboren werden. Allerdings würden Menschen den Flug ohnehin nicht überleben: Für die exotische Struktur der Raumzeit bräuchte es genug Energie, um ein Schwarzes Loch herauszubeschwören.
Quanteninformationen hingegen überstehen eine Zeitreise. Werden zwei Quantenobjekte miteinander verschränkt, sind ihre Zustände miteinander verwoben, egal, wie die Teilchen getrennt werden und ob das im Raum oder in der Zeit geschieht. Auf diese Weise können verschränkte Photonen mathematisch so wirken, als wäre eines in der Zeit zurückgereist und hätte das andere beeinflusst. Das hat einer der Autoren des jüngsten Papers, der Quanteninformatiker Seth Lloyd vom Massachusetts Institute of Technology, bereits im Jahr 2011 in einer theoretischen Arbeit gezeigt.
Doch in der Realität scheint uns selbst dann noch die Welt in gewohnter kausaler Ordnung. Alles, was entlang so einer geschlossenen Kurve passiert, kann aus quantenmechanischer Sicht mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ohnehin geschehen. Erst nachträglich, wenn man die Information aus der Zukunft hat, weiß man, welcher Vorgang auf die Zeitreise zurückzuführen ist.
Praktisch verhindert außerdem allgegenwärtiges Rauschen, dass Signale unverändert durchkommen. In der neuen Arbeit untersuchten die Autoren um Lloyd, wie es angesichts solchen Rauschens gelingen kann, Nachrichten aus der Zukunft zu empfangen.
Die Physiker stellten fest: Bezieht man das Rauschen mit ein, ist es sogar einfacher, Botschaften in die Vergangenheit zu schicken als in die Zukunft. Dazu braucht es einen speziellen Empfänger. Sobald man ihn konstruiert hat, weiß man, dass und auf welche Weise sich mit ihm die Nachrichten decodieren lassen. Mit der Information über die gelungene Entschlüsselung in der Vergangenheit kann man wiederum in der Zukunft das Signal entsprechend passend zurückschicken. Dieser Wissensvorsprung macht die Kommunikation rückwärts in der Zeit überraschend effizient.
Die Erkenntnisse sind rein mathematisch. Ob und wie sie sich im Labor umsetzen lassen, ist unklar. Doch bereits für die Theorie der Quantenphysik sind solche unkonventionellen Betrachtungen wertvoll: Immer wieder zeigt sich, dass hier unser klassisches Verständnis von Ursache und Wirkung an seine Grenzen kommt.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.