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Medikamente: Placebos auch zur Gemütsbeinflussung einsetzbar

Die Wirkung von Placebos gegen Schmerzen ist schon lange bekannt. Dass die Scheinmedikamente aber auch Gefühlszustände positiv beeinflussen können, ist das neue Resultat einer schwedischen Studie.

Dabei hatten die Forscher um Predrag Petrovic vom Karolinska-Institut freiwillige Versuchpersonen zunächst mit Bildmaterial konfrontiert, das beim Betrachter unangenehmste Empfindungen auslöst. Zugleich wurden Gehirnscans durchgeführt, um die Aktivitäten verschiedener Hirnareale zu beobachten. Untersucht wurde dann, ob die Erwartungshaltung der Patienten gegenüber einem verabreichten Medikament – analog zur Wirkung von Placebos in der Schmerztherapie – auch Emotionen beeinflussen kann.

Um dies zu überprüfen, verabreichten die Wissenschaftler im ersten Versuchsabschnitt den durch die Bilder gestörten Patienten Medikamente, welche die negativen Gefühle ausschalteten. Am folgenden Tag bekamen die Testpersonen stattdessen Placebos, dachten aber, es würde sich um die gleichen Pillen mit dämpfender Wirkung handeln wie am Vortag.

Beim Gehirnscan während der Bildbetrachtung zeigte sich, dass das Placebo tatsächlich wirkte und die Aktivität in Hirnarealen deutlich reduzierte, die für die emotionale Datenverarbeitung zuständig sind. Zudem konnten die Forscher eine gesteigerte Aktivität in Gehirnbereichen beobachten, die auch aktiv sind, wenn Placebos als Schmerzmittel eingesetzt werden. Mit Placebos lassen sich also nicht nur Schmerzen reduzieren, man kann sie ebenso gut zur Modulation von Stimmungen einsetzen, so das Fazit der Studie.
16.06.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16.06.2005

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