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News: Planeten sind relativ selten

Auch seltene Dinge können zahllos sein: Planeten zum Beispiel. Zwar liegen die Umstände nur im Umfeld von 0,3 Prozent aller Sterne so, dass sich hier Planeten wie die unseren bilden könnten, doch was wenig scheint, entspricht dennoch einer unermesslich großen Zahl. In kosmischen Maßstäben ist eben vieles relativ.
Irgendwo fernab der lichtverschmutzten Städte könnten wir mit bloßem Auge rund 5000 bis 6000 Sterne zählen. Eine große Zahl, bedenkt man, dass um all diese Sterne viele Planeten kreisen könnten: große und kleine, unter denen sich womöglich auch manch erdähnlicher, vielleicht belebter Planet fände. Eine Vorstellung, die natürlich auch die Fantasie der Astronomen anregt, wenngleich John Bally von der University of Colorado in Boulder die Hoffnungen dämpft. Er und seine Mitarbeiter gehen vielmehr davon aus, dass nicht nur die Erde, sondern unser ganzes Sonnensystem zu den seltenen Ausnahmen im Universum gehören.

Mit dem Hubble Space Telescope beobachteten sie den Orion-Nebel, eine rund 1600 Lichtjahre entfernte Gas- und Materiewolke. Hier entstanden im Laufe der letzten zehn Millionen Jahre rund 20 000 massearme Sterne - Sterne also, die unserer Sonne ähneln.

Doch daneben gibt es auch riesenhafte Sterne mit gigantischen Massen - und ebenso intensiver Strahlung. In ihrer glühenden Umgebung können die Akkretionsscheiben massearmer Sterne - hier bilden sich die Planeten - nicht existieren. Gerade einmal zehn Prozent aller massearmen Sterne im Orion-Nebel (M42) liegen in ausreichend strahlengeschützten Regionen, wo sie - wenigstens theoretisch - Planeten gebären könnten.

Doch die massereichen Sterne wirken auch noch in weiter Ferne. Aufgrund ihrer hohen Anziehungskräfte vermögen sie vielen Akkretionsscheiben junger Sterne ihre Wasserstoff- und Heliumvorräte zu entziehen. Ohne diese Gase können sich aber keine Planeten vom Typ des Jupiter bilden. Doch sind es gerade diese Gasriesen, die für ein gut funktionierendes Planetensystem von entscheidender Bedeutung sind. Schließlich ziehen sie Kometen und Asteroiden an: die größten Gefahren für jedwedes Leben.

Geht man davon aus, dass alle Sterne überall im Universum so oder so ähnlich wie im Orion-Nebel entstehen, so liegt unser Sonnensystem alles in allem wohl in einer ziemlich wohnlichen Nische. Weit und breit gibt es keinen größeren Stern und in der Akkretionsscheibe herrschte genügend Ruhe für die Ausbildung großer und kleiner Planeten. Vor allem Jupiter und Saturn ist es zu verdanken, dass die inneren Planeten nur selten von großen Asteroiden oder Kometen behelligt werden.

Mark Sykes von der University of Arizona schätzt, dass letztlich nur um sechs Prozent aller Sterne Planeten kreisen. Und Astronomen, die sich auf der Jagd nach extrasolaren Planeten befinden, vermuten, dass es in nur fünf Prozent dieser Fälle auch Riesenplaneten gibt.

Demnach dürfte unter 300 Sternen einer sein, um den Planeten kreisen, die unseren wenigstens ähnlich sehen. Am nächtlichen Himmel funkelten dann knapp zwei Dutzend, allein in unser Milchstraße immerhin schon 300 Millionen solcher Systeme aus großen und kleinen Planeten. Geht man davon aus, dass das Universum aus 100 Milliarden Galaxien besteht, so steigt die Zahl der Planetensysteme, die dem unseren ähneln, ins Unermessliche. Und dennoch hat John Bally Recht: In kosmischen Maßstäben sind sie in der Tat eine seltene Ausnahme.

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  • Quellen
198th Meeting of the American Astronomical Society, Pasadena, 3. 7.6.2001

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