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Planetenlauf im April 2026: Von Mondschatten und goldenen Toren

Jupiter und seine Monde beherrschen den Himmel im April – zumindest bis Mitternacht. In der Abenddämmerung bekommt der Riesenplanet Unterstützung von der Venus, die sich zum Abendstern entwickelt und durch das Goldene Tor der Ekliptik bewegt. Uranus verschwindet von der Himmelsbühne, was Ende des Monats die Zahl der sichtbaren Planeten auf zwei reduziert.
Das Bild zeigt den Planeten Jupiter mit seinen charakteristischen Wolkenbändern in verschiedenen Brauntönen und dem Großen Roten Fleck. Mehrere seiner Monde sind als kleine, helle Punkte sichtbar, die den Planeten umgeben. Der Hintergrund ist schwarz.
Schattenwürfe von Jupiters Monden auf dessen Atmosphäre, wie in diesem Leserbild, sind an sich keine Seltenheit. Am häufigsten treten dabei jene von Io auf, gefolgt von Europa, Ganymed und Kallisto – in dieser Reihenfolge. Im April ergibt sich die Möglichkeit, den nur äußerst selten auftretenden Schatten von Kallisto, Jupiters äußerstem Mond, auf dessen Wolkendecke zu beobachten.

Merkur erreicht am 4. April seine größte westliche Elongation; sein scheinbarer Abstand zu unserem Heimatgestirn ist zu dieser Zeit maximal. Obwohl er dann – wie häufig im Frühjahr – in den Morgenstunden noch vor der Sonne am Himmel erscheint, bleibt er dennoch in der Dämmerung verborgen. Schuld hat die flach stehende Ekliptik: Der Planet erreicht keine ausreichende Höhe, ehe die Sonne aufgeht.

Venus zeigt sich im April gut sichtbar am Abendhimmel. Zum Monatsersten steht sie gegen 20:24 Uhr MESZ, wenn die Sonne sechs Grad unter den Horizont gesunken ist und die bürgerliche Dämmerung endet, zwölf Grad über dem Westhorizont. Bis zum 30. April klettert sie bei gleichem Sonnenstand – dann um 21:14 Uhr – bereits in eine Höhe von mehr als 16 Grad. Begünstigt wird dies durch die am Abendhimmel noch steil zum Horizont stehende Ekliptik und die Tatsache, dass sich der Planet nördlich von dieser bewegt.

Da sich die Venus nach ihrer oberen Konjunktion im Januar noch auf dem erdfernen Abschnitt ihrer Umlaufbahn befindet, ändert sich ihre Lichtphase nur wenig. Im Verlauf des Monats sinkt diese von anfänglichen 94 Prozent auf 88 Prozent ab. Entsprechend bleibt auch die scheinbare Helligkeit unserer Nachbarin mit rund –3,9 mag nahezu konstant.

Venus wandert im April durch das sogenannte Goldene Tor der Ekliptik im Sternbild Stier, das von den beiden offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden begrenzt wird. Dieses eindrucksvolle Szenario zeigt sich allerdings erst bei ausreichend dunklem Himmel, also kurz vor Venus’ Untergang. Am Abend des 19. April begegnet unsere Nachbarin außerdem der zunehmenden Mondsichel, die sich dann direkt am nordwestlichen Rand der Plejaden befindet.

Macht hoch das Tor | Am westlichen Abendhimmel zieht Venus im Verlauf des Monats am kaum bemerkbaren Uranus vorüber und zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Plejaden und Hyaden im Sternbild Stier hindurch – dem sogenannten Goldenen Tor der Ekliptik. Auch die zunehmende Mondsichel lässt sich das Spektakel nicht entgehen und gesellt sich Mitte des Monats zu diesem seltenen Ereignis.

Mars bleibt im April unsichtbar. Er steht nahe bei Merkur und verblasst damit in der hellen Morgendämmerung, ehe er auf ausreichende Höhe aufsteigen kann.

Jupiter ist weiterhin während der ersten Nachthälfte gut zu sehen. Zum Monatsbeginn steht er bei Einbruch der Dämmerung noch mehr als 60 Grad hoch im Süden und strahlt mit einer scheinbaren Helligkeit von rund –2,2 mag. Bis Ende April sinkt seine Höhe zu Beginn der Nacht auf immerhin noch 40 Grad. Damit bleibt ausreichend Zeit für die Beobachtung des Riesen. Im Teleskop erscheint Jupiter zur Monatsmitte mit einem Scheibendurchmesser von etwa 37 Bogensekunden, gemessen am Äquator. Immer wieder lassen sich dabei die vier großen Jupitermonde mit Transitereignissen und Schattenwürfen verfolgen.

Besonders am Abend des 2. April lohnt sich ein Blick auf den Gasriesen: Ab 22:47 Uhr sind für knapp 50 Minuten sowohl der größte Mond, Ganymed, als auch der Schatten des innersten Mondes Io gemeinsam vor der Jupiterscheibe zu sehen. Io selbst hat seinen Transit zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.

Am 20. April wandert zwar nur ein einzelner Schatten über die Jupiteratmosphäre, und zwar derjenige des äußersten Mondes Kallisto. Dessen Schattenwürfe sind nur alle sechs Jahre während einiger Monate um die Tagundnachtgleiche des Jupiters zu sehen. Das nächste sogenannte Äquinoktium ergibt sich erst wieder am 16. Dezember – die Gelegenheit sollte man sich daher nicht entgehen lassen. Aufgrund der großen Entfernung Kallistos zu seinem Planeten von rund 1,9 Millionen Kilometern erscheint sein Schatten sichtbar diffuser als dieser der inneren Monde. Er zeigt sich zwischen 21:12 Uhr am 20. April und 00:40 Uhr am Folgetag sehr deutlich vor der hellen südlichen tropischen Zone der Jupiteratmosphäre.

Am 1. April geht Jupiter um 03:56 Uhr unter, am 30. April bereits knapp vor 02:13 Uhr. Der zunehmende Mond begegnet ihm am 23. April nördlich in einem Abstand von knapp drei Grad.

Saturn stand Ende März in Konjunktion mit der Sonne und lässt sich im April nicht beobachten. Er befindet sich in der Nähe von Merkur und Mars und ertrinkt wie diese beiden im morgendlichen Sonnenlicht.

Uranus nähert sich seiner Konjunktion am 22. Mai. In der ersten Aprilhälfte kann man ihn noch kurz nach Ende der Dämmerung tief am Westhimmel erwischen. Er steht etwa 4,5 Grad südwestlich des Sternhaufens der Plejaden im Stier, nahe der nur 5,7 und 6,1 mag hellen Sterne 13 und 14 Tauri. Im Fernglas zeigt sich Uranus als etwa 5,8 mag schwacher Lichtpunkt; bei hoher Vergrößerung im Teleskop offenbart sich ein rund 3,5 Bogensekunden großes Scheibchen. In der zweiten Monatshälfte verblasst Uranus zunehmend in der Abenddämmerung. Am 23. April kommt ihm die helle Venus bis auf 47 Bogensekunden nahe und steht nordwestlich des fernen Planeten.

Neptun stand Ende März in Konjunktion mit der Sonne und ist im April unsichtbar.

Kurz erklärt

Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.

Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.

Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.

mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).

Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.

Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.

Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.

Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.

Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.

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