Planetenlauf im Juli 2026: Mars ist zurück

Merkur steht am 13. Juli in unterer Konjunktion, also zwischen Erde und Sonne, und ist in diesem Monat nicht zu sehen.
Venus findet sich am Abendhimmel. Ihre ohnehin nicht besonders gute Sichtbarkeit verschlechtert sich allerdings im Lauf des Monats weiter: Am 1. Juli erreicht unsere Nachbarin bei Ende der bürgerlichen Dämmerung um 22:17 Uhr MESZ nur eine Höhe von knapp 12,5 Grad über dem Westhorizont. Am Monatsletzten sind es bei gleichem Sonnenstand, dann um 21:43 Uhr, schon weniger als acht Grad. An diesem Abend verabschiedet sich Venus bereits um 22:35 Uhr – nicht einmal eine Stunde bleibt für die Beobachtung. Dabei dauert es Ende Juli nur noch zwei Wochen, bis Venus ihre größte östliche Elongation, also ihren maximalen scheinbaren Winkelabstand zur Sonne und damit die üblicherweise beste Abendstellung, erreicht. Aber Elongation ist eben nicht alles: Es kommt auch auf die Lage der Ekliptik an – und die liegt an Sommer- und Herbstabenden sehr flach zum westlichen Horizont. Dadurch steht Venus, sobald die Sonne sich dem Horizont nähert, ebenfalls sehr tief. Dass sie sich der Erde annähert, erkennt man auch direkt im Teleskop: Im Monatslauf wächst ihr scheinbarer Durchmesser von 16 auf 21 Bogensekunden, gleichzeitig nimmt ihre Lichtphase von 69 auf 56 Prozent ab. Die zunehmende Mondsichel passiert Venus am 17. Juli in einem Abstand von drei Grad in südlicher Richtung.
Mars betritt im Juli nach langer Abwesenheit wieder die Himmelsbühne, nachdem er Ende Juni nur zaghaft in der Morgendämmerung auftauchte. Die am Morgenhimmel recht steil stehende Ekliptik hilft ihm beim Aufstieg. Am 1. Juli finden wir den Roten Planeten um 04:31 Uhr, zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung, knapp 14 Grad über dem Osthorizont. Mars ist nur 1,4 mag hell, sodass es ein Fernglas braucht, um ihn im Dämmerlicht sicher wahrnehmen zu können. Immerhin hat er eine gute Aufsuchhilfe: Der Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier steht nur rund 4,5 Grad nordwestlich. Mars wandert in den Juliwochen durch das Goldene Tor der Ekliptik zwischen den Sternhaufen der Plejaden und den benachbarten Hyaden hindurch (siehe »Trubel vor dem Goldenen Tor«). Dort begegnet er am Morgen des 4. Juli dem Gasplaneten Uranus. Bis zum 31. Juli steigt seine Höhe bei gleichem Sonnenstand, dann um 05:09 Uhr auf knapp 27 Grad. Zum Ende des Monats geht Mars gegen 02:05 Uhr auf. Sein scheinbarer Winkeldurchmesser beträgt knapp fünf Bogensekunden, das sind nur 1,5 Bogensekunden mehr als Uranus. Der abnehmende Mond passiert Mars vom 11. auf den 12. Juli nördlich.
Jupiter erreicht am 29. Juli seine Konjunktion und positioniert sich damit hinter unserem Tagesgestirn. Theoretisch kann man ihn unter idealen Bedingungen an den ersten Juliabenden noch sehr tief in der Abenddämmerung über dem nordwestlichen Horizont aufspüren; praktisch ist der Riesenplanet den ganzen Monat nahezu unbeobachtbar.
Saturn gerät am 27. Juli im Sternbild Fische in Stillstand und beginnt seine Oppositionsschleife. Der 0,7 mag helle Ringplanet geht am Monatsersten um 01:20 Uhr auf; am 31. Juli erscheint er knapp zwei Stunden früher. Saturn wird damit zum Planeten der zweiten Nachthälfte: Am Monatsende steht er bei Dämmerungsbeginn mehr als 40 Grad hoch. Im Teleskop zeigt er sich dabei als 18 Bogensekunden große Scheibe mit dem um etwa neun Grad geöffneten Ringsystem – der Blick fällt von unserer Perspektive aus auf die Südhemisphäre des Gasriesen. Der abnehmende Mond zieht zwischen dem 7. und 8. Juli in nördlicher Richtung an Saturn vorbei, hält mit mehr als sieben Grad jedoch gebührenden Abstand.
Uranus erscheint frühmorgens über dem nordöstlichen Horizont. Der 5,8 mag helle Planet geht am Monatsersten um 02:59 Uhr und am 31. Juli bereits um 01:05 Uhr auf. Man findet ihn am einfachsten am Morgen des 4. Juli, wenn er nur neun Bogenminuten nordöstlich des helleren Mars steht und gemeinsam mit dem Roten Planeten in das Gesichtsfeld eines hochvergrößernden Fernrohrs passt. Uranus’ scheinbarer Winkeldurchmesser ist mit 3,5 Bogensekunden knapp 1,5 Bogensekunden kleiner als der des Mars. Auffällig ist der Farbunterschied: Uranus leuchtet matt-grün, Mars hingegen in seinem charakteristischen Orange-Rot. Ohne den farbenprächtigen Planeten als Aufsuchhilfe benötigt man eine Karte, um den äußerst lichtschwachen Uranus zu finden. Dieser quert zur Monatsmitte ebenfalls das Goldene Tor der Ekliptik, wenn auch deutlich langsamer als Mars.
Neptun beginnt wie Saturn in diesem Monat seine Oppositionsschleife im Sternbild Fische. Sein Stillstand fällt auf den 8. Juli – nur einen Tag davor huscht noch der abnehmende Halbmond vorbei. Anschließend wandert Neptun rückläufig, also westwärts, über den Fixsternhimmel. Der 7,9 mag helle Planet geht Mitte des Monats um 23:57 Uhr auf und erreicht zu Beginn der morgendlichen Dämmerung immerhin eine Höhe von gut 30 Grad über dem Südosthorizont. Hellstes Objekt und Aufsuchhilfe in seiner Nähe ist Saturn; der Ringplanet steht den gesamten Monat rund 10 Grad östlich von Neptun.
Kurz erklärt
Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.
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