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Planetenlauf im Mai 2026: Wachwechsel am Abendhimmel

Während Venus ihre beste Sichtbarkeit des Jahres erreicht, zieht sich Jupiter nach langer Regentschaft zurück – zwei seiner Monde zeigen noch eine seltene gegenseitige Verfinsterung. Ende Mai lässt sich Merkur wieder auf der Himmelsbühne blicken.
Aufnahme der Raumsonde Juno von Io mit Jupiter im Hintergrund
Auftritt der Monde | Im Mai ist erneut ein Schattenspiel der Jupitermonde zu beobachten. Verursacht wird die Verfinsterung durch den hier sichtbaren innersten Galileischen Mond Io – allerdings nicht auf der Atmosphäre des Gasriesen, sondern auf der Oberfläche des weiter außen umlaufenden Mondes Europa. Das Bild stammt von der NASA-Sonde Juno.

Merkur erreicht am 14. Mai die obere Konjunktion, steht also von der Erde aus gesehen hinter der Sonne und ist damit für den längsten Teil des Monats unsichtbar. Ende Mai macht er sich jedoch in der Abenddämmerung bemerkbar. Etwa ab dem 25. Mai kann man gegen 22:00 Uhr MESZ versuchen, ihn über dem Nordwesthorizont aufzuspüren – dort steht er allerdings nur vier bis fünf Grad hoch. Bis zum 31. Mai verbessert sich seine Horizonthöhe aber spürbar. Am Monatsletzten steht er bei Ende der bürgerlichen Dämmerung um 22:02 Uhr immerhin rund sieben Grad über dem Horizont und leuchtet mit einer Helligkeit von etwas weniger als –0,6 mag. Er ist der Auftakt einer recht passablen Abendsichtbarkeit des innersten Planeten, die ihren Höhepunkt Mitte Juni zur größten östlichen Elongation erreichen wird.

Venus erreicht Mitte Mai den Höhepunkt ihrer derzeitigen Abendsichtbarkeit – obwohl sie ihre größte östliche Elongation, das heißt ihren maximalen Winkelabstand zur Sonne von 45,9 Grad, erst am 15. August einnehmen wird. Das hat einen einfachen Grund: Der Winkel zwischen dem Westhorizont und der Ekliptik wird in den kommenden Monaten immer flacher. Venus steht also zunehmend tiefer, während die Sonne gleichzeitig immer langsamer hinter dem Horizont verschwindet. Ihre maximale Höhe am abendlichen Himmel von rund 17 Grad gegen Ende der bürgerlichen Dämmerung erreicht sie daher bereits um den 15. Mai. Diese Höhe hält sie praktisch den gesamten Monat bei, genauso wie ihre scheinbare Helligkeit, konstant bei etwa –3,9 mag liegt. Der scheinbare Durchmesser des Venusscheibchens wächst leicht, von anfänglich 12 Bogensekunden auf 13,3 Bogensekunden im Verlauf des Monats. Gleichzeitig nimmt ihre Lichtphase von 88 auf 79 Prozent ab. Am Abend des 18. Mai steht die schmale Sichel des zunehmenden Mondes 4,5 Grad nordwestlich der Venus.

Die Konjunktion des Mars liegt bereits vier Monate zurück, doch der rote Nachbarplanet tut sich weiter schwer gegen die Morgendämmerung. Zu flach steht die morgendliche Ekliptik zum Osthorizont, zu schwach (1,3 mag) leuchtet der Planet. Wer es dennoch versuchen will: Am Morgen des 31. Mai steht Mars um 04:34 Uhr – wenn die bürgerliche Dämmerung einsetzt – knapp fünf Grad über dem Ostnordosthorizont.

Jupiter ist mit einer scheinbaren Helligkeit von –2,9 mag leuchtender Abendplanet, doch den Wettbewerb um den hellsten Himmelskörper nach der Sonne und dem Mond hat er bereits zugunsten der Venus verloren. Im Lauf des Monats zieht sich der Gasriese außerdem unübersehbar vom Himmel zurück. Am 1. Mai, bei Beginn der Abenddämmerung, steht er noch deutlich mehr als 40 Grad über dem Westhorizont und geht erst um 02:06 Uhr unter. Bei gleichem Sonnenstand halbiert sich seine Horizonthöhe allerdings bis zum Monatsletzten, während sich sein Untergang auf 00:27 Uhr des Folgetags verfrüht.

Jupiter nähert sich im Verlauf des Monats der Venus an, mit der er am 9. Juni eine enge Begegnung haben wird. Auch Teleskopbeobachter haben weiter ihre Freude an dem Riesenplaneten, dessen scheinbarer Winkeldurchmesser Mitte Mai rund 34 Bogensekunden beträgt. Am 21. Mai kommt es überdies zu einer von Deutschland beobachtbaren Verfinsterung des Jupitermonds Europa durch den an Jupiter näher liegenden Mond Io: Ab 22:33 Uhr wirft letzterer seinen Schatten auf Europa. Die Verfinsterung ist partiell und dauert etwa 15 Minuten; maximal 48 Prozent der Scheibe von Europa werden verdunkelt.

Wegen der nahen Tagundnachtgleiche auf Jupiter ergeben sich im Mai zahlreiche weitere gegenseitige Verfinsterungen und Bedeckungen der vier großen Jupitermonde. Leider finden die meisten von Mitteleuropa aus bei Tag statt oder wenn Jupiter unter dem Horizont steht. Eine vollständige Liste kann man sich auf der Website des Institut de mécanique céleste et de calcul des éphémérides (IMCCE) berechnen lassen. Der zunehmende Mond begegnet Jupiter am Abend des 20. Mai; er kommt dem Gasriesen dabei auf rund 3,5 Grad in nordöstlicher Richtung nahe.

Eine letzte Vorstellung | Am westlichen Abendhimmel zieht sich der König der Planeten langsam von der Himmelsbühne zurück und schreitet mit großen Schritten unserer Nachbarin Venus entgegen. Auch der Mond nimmt Abschied und besucht den Gasriesen am Abend des 20. Mai im Sternbild Zwillinge mit seinen markanten Sternen Kastor und Pollux. Nur einen Tag später zeigen Jupiters Monde Europa und Io ein seltenes Schattenspiel.

Saturn zeigt sich ab der zweiten Maihälfte wieder deutlicher am Morgenhimmel. Der 0,9 mag helle Ringplanet erreicht am 31. Mai um 04:34 Uhr zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung eine Höhe von etwa zwölf Grad über dem östlichen Horizont. Der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Sichtung ist möglicherweise der Morgen des 14. Mai, wenn Saturn zwar bei gleichem Sonnenstand erst fünf Grad über dem Horizont steht, mit dem sieben Grad in nordöstlicher Richtung stehenden Mond aber einen gut sichtbaren Wegweiser hat. Für eine sinnvolle Beobachtung mit dem Teleskop ist es jedoch noch zu früh.

Uranus erreicht am 22. Mai seine Konjunktion und ist unbeobachtbar.

Neptun steht nur wenige Grad östlich von Saturn und erreicht zum Monatsende bei einsetzender Morgendämmerung Horizonthöhen von etwas mehr als zehn Grad – doch mit seiner scheinbaren Helligkeit von 7,9 mag bleibt er für alle praktischen Belange vorläufig unbeobachtbar.

Kurz erklärt

Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.

Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.

Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.

mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).

Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.

Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.

Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.

Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.

Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.

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