Planetenlauf im September 2026: Schattenspiele auf Jupiters Monden

Alle Angaben gelten für einen Standort bei 50 Grad nördlicher Breite und 10 Grad östlicher Länge sowie mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ).
Merkur stand Ende August in oberer Konjunktion und damit hinter der Sonne. Er geht im September noch während der hellen Abenddämmerung unter und bleibt unsichtbar.
Venus’ Abendsichtbarkeit geht in diesem Monat zu Ende: In der ersten Septemberwoche kann man sie unter günstigen Bedingungen – das heißt bei sehr klarem Himmel und freier Sicht zum Westsüdwesthorizont – gegen 20:35 Uhr MESZ bei Ende der bürgerlichen Dämmerung rund drei Grad über diesem aufspüren. Dabei ist trotz ihrer enormen scheinbaren Helligkeit von –4,5 mag ein Fernglas zwingend erforderlich. An den folgenden Abenden sinkt Venus zu gleicher Stunde fast ein halbes Grad pro Tag Richtung Horizont, sodass sie spätestens zu Beginn der zweiten Septemberwoche völlig unsichtbar wird – zumindest am Abendhimmel.
Am Taghimmel hingegen kommt es am 14. September zu einer Bedeckung der Venus durch den Mond. Leider stehen von der Mitte Deutschlands aus betrachtet gegen 11:30 Uhr – wenn der Planet an der unbeleuchteten Seite des 3,3 Tage alten Mondes verschwindet – unser Trabant und Venus erst vier Grad über dem Südosthorizont. Beobachter im Osten Deutschlands gewinnen etwa ein Grad Höhe. Beim Austritt am schmalen, beleuchteten Mondrand gegen 12:40 Uhr steht der Mond immerhin rund zwölf Grad hoch. Sein Winkelabstand zur Sonne beträgt zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 40 Grad. Eine gefahrlose Beobachtung mit einem Teleskop ist also möglich. Es muss dennoch – wie immer bei Tagbeobachtungen – darauf geachtet werden, dass die Optik niemals aus Versehen in Richtung Sonne zeigt!
Auf ihrer Umlaufbahn nähert sich unsere Nachbarin im September der Erde stetig. Am 24. Oktober wird sie ihre untere Konjunktion erreichen und positioniert sich somit zwischen Erde und Sonne.
Mars ist im September ein Planet des Morgenhimmels. Er wandert in diesem Monat durch das Sternbild Zwillinge und tritt am 25. September in den Krebs über. Seine Aufgangszeiten verfrühen sich leicht, von 01:30 Uhr am Monatsersten auf 01:06 Uhr am 30. September. Das liegt daran, dass Mars sich aufgrund seiner relativen Nähe zur Erde schneller als alle anderen äußeren Planeten Richtung Osten über den Himmel bewegt. Seine scheinbare Helligkeit bleibt fast konstant bei 1,2 mag, denn der Rote Planet nähert sich nach seiner Konjunktion – also auf dem erdabgewandten Abschnitt seiner Bahn – vergleichsweise langsam der Erde. Entsprechend nimmt auch die zu gut 90 Prozent beleuchtete Marsscheibe im Teleskop nur wenig an Größe zu: Ihr Durchmesser wächst im Verlauf des Monats von anfänglich 5,1 auf 5,6 Bogensekunden an. Die abnehmende Mondsichel steht am Morgen des 7. September etwa fünf Grad nordöstlich des Roten Planeten.
Jupiter erscheint vor Beginn der Dämmerung am Morgenhimmel. Am 30. September geht er bereits um 02:52 Uhr und damit mehr als vier Stunden vor der Sonne auf. Er tritt Ende September vom Sternbild Krebs in den Löwen über. Mit seiner scheinbaren Helligkeit von –1,9 mag ist er auffällig hell. Im Teleskop erreicht der Riesenplanet zum Monatsende einen scheinbaren Äquatordurchmesser von mehr als 33 Bogensekunden.
Besonders interessant sind in diesem Jahr Jupiters Monde, die im September mehrere von Mitteleuropa aus sichtbare gegenseitige Bedeckungen und Verfinsterungen zeigen. Sehenswert und günstig zu beobachten ist am Morgen des 23. September die Verfinsterung von Europa durch den innersten der vier Galileischen Monde Io: Um 05:13 Uhr zieht Europa in Ios Schatten und büßt während des nur fünf Minuten dauernden Ereignisses rund 60 Prozent seiner Helligkeit ein. Das Spektakel lässt sich bei dunklem Himmel und ausreichend hoher Horizonthöhe Jupiters problemlos beobachten. Etwas mehr als eine Stunde später, ab 06:29 Uhr, bewegt sich Io aus unserer Sicht vor Europa. Obwohl die Morgendämmerung zu diesem Zeitpunkt bereits im Gange ist, dürfte das »Verschmelzen« der beiden Lichtpunkte im Teleskop eindrucksvoll zu verfolgen sein.
Vom 8. auf den 9. September passiert der abnehmende Mond den Jupiter (siehe »Bühne frei für Jupiter«); dabei kommt es sogar zu einer Bedeckung, die allerdings nur in Nordamerika sichtbar ist.
Im September lohnt sich der Blick auf den frühmorgendlichen Gasriesen. Neben seiner ohnehin auffälligen Erscheinung sorgen vor allem seltene gegenseitige Verfinsterungen und Bedeckungen der Galileischen Monde für eindrucksvolle Beobachtungen im Teleskop. Den Auftakt macht die schmale Mondsichel, wenngleich dieses Ereignis von Europa aus nicht zu sehen ist.
Saturn erreicht am 4. Oktober seine Opposition, ist aber schon im September ein Objekt der ganzen Nacht. Der Ringplanet steht an der Grenze zwischen den Sternbildern Fische und Walfisch und geht am Monatsersten um 21:14 Uhr über dem östlichen Horizont auf – Ende September bereits zwei Stunden früher und somit noch während der Dämmerung. Zur Monatsmitte hin durchläuft Saturn um 02:31 Uhr seine Kulminationsposition und klettert dabei auf eine Höhe von 42,5 Grad. Seine scheinbare Helligkeit beträgt 0,4 mag. Die Saturnscheibe misst am Äquator 19,5 Bogensekunden, während das Ringsystem rund acht Grad geöffnet ist. Am 27. September begegnet der Mond dem Herrn der Ringe, bleibt jedoch weit nördlich des Planeten.
Uranus bewegt sich immer langsamer über den Himmel, bis er am 10. September im Sternbild Stier schließlich stillsteht und seine Oppositionsschleife beginnt – genau im »Goldenen Tor der Ekliptik« zwischen den Sternhaufen der Plejaden (Messier 45) und den Hyaden. Der 5,7 mag helle Planet ist den größten Teil der Nacht sichtbar und lässt sich auf halber Strecke zwischen dem rötlichen Aldebaran (Alpha Tauri) und Atlas, dem nordöstlichsten der markanten Sterne der Plejaden, auffinden. Am 1. September geht Uranus um 22:57 Uhr auf, zwei Stunden nach Ende der Dämmerung. Bis zum Monatsletzten verfrühen sich seine Aufgänge auf 21:03 Uhr. Dann kulminiert er gegen 05:00 Uhr in einer beachtlichen Höhe von 61 Grad über dem südlichen Horizont.
Neptun steht am 26. September im Sternbild Fische in Opposition – in einer Entfernung zur Erde von 28,9 Astronomischen Einheiten oder 4,3 Milliarden Kilometern. Der ferne Eisriese wird damit lediglich 7,8 mag hell und ist ausschließlich mit optischer Unterstützung zu sehen. Seine 2,4 Bogensekunden große Scheibe zeigt sich nur bei klarer, ruhiger Luft und unter hoher Vergrößerung im Teleskop.
Aufgespürt wird Neptun am besten mithilfe einer guten Sternkarte oder eines computergesteuerten Teleskops. Überraschend leicht zu erkennen ist ein 13,4 mag heller Lichtpunkt in einem Abstand von wenigen Bogensekunden: Triton, der größte Neptunmond, lässt sich in einem Teleskop ab 200 Millimetern Öffnung gut ausmachen – ein Hinweis darauf, warum der Mond weniger als drei Wochen nach der Entdeckung seines Planeten selbst gefunden wurde. Neptun ist im September praktisch die gesamte Nacht zu sehen und kulminiert zur lokalen Mitternacht in rund 40 Grad Höhe über dem südöstlichen Horizont.
Kurz erklärt
Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der sogenannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht, und zu einer unteren Konjunktion, wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.
Diese Illustration zeigt die wichtigsten Stellungen der Planeten relativ zur Erde und zur Sonne – darunter Konjunktion, Opposition sowie östliche und westliche Elongation.
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