Rätselhafte Bruchzone: Bisher unbekannter Riss könnte Afrika zerstückeln

Afrika ist ein besonderer Kontinent. Seit Hunderten Millionen Jahren bildet er eine zusammenhängende Landfläche, die heute zu großen Teilen mehr als einen Kilometer über dem Meeresspiegel liegt. Doch auf diese Dauerhaftigkeit könnte ein spektakulärer Zerfall folgen. Ein Bruch im Süden Afrikas reicht bis in den Erdmantel hinab, wie jetzt ein Team um die Geochemikerin Rūta Karolytė von der University of Oxford berichtet. Damit wäre dieser Grabenbruch eventuell die zweite dort neu entstehende Grenze zwischen Erdplatten – und der Beginn einer Dreiteilung Afrikas. Während das nur ein mögliches Endergebnis des Prozesses ist, zeigt der jetzt in der Fachzeitschrift »Frontiers in Earth Science« veröffentlichte Befund, dass die untersuchte Region vielleicht großes Potenzial für Energie aus Erdwärme und erhebliche Mengen des jetzt durch die Nahostkrise knappen Heliums besitzt.
Der von der Arbeitsgruppe untersuchte Kafue-Grabenbruch in Sambia funktioniert wie der Ostafrikanische Grabenbruch, die gigantische Nord-Süd-Narbe zwischen der Afar-Senke am Roten Meer bis hinunter nach Mosambik. Der Unterschied: Der von Ost nach West laufende, neu identifizierte Bruch ist – geologisch gesprochen – quasi neu geboren. Er besteht aus einer Serie von Senkungszonen, also oberflächlichen Dehnungsstreifen der Erdkruste. Anhand von Gasen in heißen Tiefenwässern zeigten die Fachleute um Karolytė jedoch, dass dort unter anderem Helium und Kohlendioxid aus sehr großer Tiefe aufsteigen. Die Bruchzone reicht bis tief in die Wurzeln des Kontinents.
Das gesamte System erstreckt sich über mehr als 2000 Kilometer von Ost nach West. Schon lange kennen Fachleute dort Bruchzonen, heiße Quellen und andere Anomalien. Sie können auf einen Grabenbruch hindeuten – müssen aber nicht. Das Team analysierte nun die Verhältnisse zwischen den Heliumisotopen 3He und 4He sowie den Anteil des Isotops 13C in Kohlendioxid und verglich Proben aus dem Rift selbst mit vulkanischen Wässern außerhalb der Bruchzone. Dabei zeigten die Proben deutlichen Einfluss des Erdmantels. Für eine zukünftige Grenze zwischen Erdplatten spricht zudem, dass sich das Verwerfungssystem wahrscheinlich tief unter dem Meer bis zum Mittelatlantischen Rücken zieht.
Allerdings müssen zukünftige Studien zeigen, ob die tiefe Verbindung in den Erdmantel sich überhaupt über die gesamte Bruchzone erstreckt. Nicht zuletzt können Grabenbrüche einfach inaktiv werden oder sich gar wieder schließen. Die Zukunft des Systems ist deswegen ungewiss. Kurzfristig spielt das ohnehin keine Rolle, denn Platten zerbrechen über Zeiträume von Millionen Jahren. Innerhalb der Existenz der Menschheit sind deswegen nur die potenziellen Lagerstätten von Helium und Wasserstoff und die geothermische Energie am tiefen Bruch durch die Erdkruste relevant.
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