Direkt zum Inhalt

Erdbebenforschung: Plattenverschiebungen nach dem Sumatra-Erdbeben vermessen

Innerhalb von sechs Wochen nach dem schweren Erdbeben vom 26. Dezember 2004 haben sich die Platten der Erdkruste zusätzlich um etwa dreißig Prozent des ersten Versatzes verschoben. Solche Nachbewegungen waren bislang nur von Erdbeben bekannt, deren Zentrum tiefer in der Erdkruste lag. Bei dem Hauptbeben hatten sich die Bruchflächen vor der Nordküste Sumatras um bereits 20 bis 30 Meter horizontal verschoben.

Zu diesen Erkenntnissen kam ein Wissenschaftlerteam um Jean-Philippe Avouac vom Kalifornischen Institut für Technologie in Pasadena, das mit Hilfe von Satellitendaten die Verformungen der Erdkruste genau vermessen hat. Das Weihnachts-Beben 2004 war das erste, das von modernen Satelliten mit unterschiedlichen Sensoren aufgezeichnet wurde.

Die Wissenschaftler werteten unter anderem breitbandseismologische Daten des Bebens aus. Dabei wird der gesamte Frequenzbereich seismischer Wellen zwischen einem Tausendstel Hertz und hundert Hertz aufgezeichnet. Außerdem vermaßen Avouac und seine Kollegen die Geländedeformationen mit GPS-Stationen in der Nähe des Epizentrums und untersuchten die vertikale Verschiebung von Korallenriffen auf der Simeulue-Insel vor der Nordküste Sumatras. Da Korallen direkt unter der Wasseroberfläche leben, zeigen sie die entsprechende Wasserhöhe sehr genau an. Nach dem Beben lagen die Riffe zwischen 20 bis 150 Zentimetern höher als zuvor.

Der gewaltige Erdstoß der Stärke 9,1 bis 9,2 auf der Richter-Skala dauerte 500 Sekunden und ereignete sich innerhalb einer Subduktionszone im Indischen Ozean – dem Sunda-Graben –, in der sich die Indische und Australische Platte unter die Eurasische Platte schieben. Die ineinander verkeilten Krustenteile hatten sich in einem gewaltigen Ruck gelöst, eine mehr als 1500 Kilometer lange und bis zu 150 Kilometer breite Verwerfung hinterlassen und die zerstörerischen Tsunamis verursacht.

Bisher waren Erdbebenforscher davon ausgegangen, dass in dieser Region nur leichte Erdbeben zu befürchten seien, da sich die Lithosphärenplatten im Indischen Ozean vergleichsweise langsam bewegen. Zudem seien die subduzierten Krustenplatten sehr alt und schwer, wodurch sie leichter hätten absinken sollen.

Bei vorherigen Beben lagen die Forscher mit diesen Annahmen richtig, nicht aber bei dem Erdstoß von 2004. Sie hoffen nun, mit den vorhandenen Daten das starke Beben in Computerprogrammen zu simulieren und zu erklären. Dann könnten eines Tages verlässlichere Erdbebenprognosen erstellt werden.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte