Polarlichter: Der stärkste Sonnensturm seit 2003

Nachtschwärmer dürften sich bei klarer Sicht in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar gefreut haben: In Deutschland waren bis zu den Alpen atemberaubende Polarlichter zu sehen. Grund dafür ist der stärkste Sonnensturm seit mehr als 20 Jahren. Dieser bringt aber nicht nur beeindruckende Himmelsphänomene mit sich, sondern kann auch zu Störungen im Funkverkehr, bei der Satellitenkommunikation und bei Navigationssystemen wie GPS führen.
Der aktuelle Sonnensturm erreicht die vierte von fünf Stufen auf der Skala der US-Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (kurz: NOAA) – zuletzt wurde diese Stufe im Oktober 2003 beobachtet. Damals führte das zu Stromausfällen in Schweden und Südafrika. Deshalb warnt jetzt die US-Behörde vor möglichen Störungen im Stromnetz, wobei die meisten modernen Netze auf solche Phänomene vorbereitet sind. Astronauten in der internationalen Raumstation ISS sind ebenfalls von dem Weltraumwetter betroffen und müssen auf Außengänge verzichten und ihre Instrumente schützen.
Sonnenstürme entstehen durch koronale Massenauswürfe der Sonne. Dabei handelt es sich um riesige Wolken aus geladenen Teilchen, die von unserem Zentralgestirn ins All geschleudert werden. Sonnenstürme der Stufe 4 ereignen sich rund dreimal alle elf Jahre – aber nicht alle erreichen die Erde. Denn nur falls die Plasmawolken in unsere Richtung ausgeworfen werden, können sie einen geomagnetischen Sturm auslösen: Die geladenen Teilchen ionisieren dann die Partikel aus der Atmosphäre und führen zu den beeindruckenden Lichtphänomenen am Himmel, aber auch zu möglichen technischen Störungen. Der aktuelle geomagnetische Sturm soll sich im Lauf des 20. Januar auf die dritte Stufe absenken. In der Nacht zum 21. Januar ist eine Sichtung von Polarlichtern in Deutschland daher immer noch möglich.
Grund für koronale Massenauswürfe ist das instabile Magnetfeld der Sonne. Der Nord- und Südpol des Sterns kehrt sich nämlich rund alle elf Jahre um. Denn anders als die Erde ist die Sonne kein Festkörper, der sich als Ganzes einheitlich dreht. Stattdessen rotiert sie am Äquator deutlich schneller als an den Polen: Während an den Polen mehr als 31 Erdtage pro Umdrehung vergehen, sind es am Äquator nur rund 25. Dadurch wird das Magnetfeld der Sonne spiralförmig verzerrt, wodurch sich an der Sonnenoberfläche Plasmawellen bilden, die enorme Höhen von mehreren Tausend Kilometern erreichen können und schließlich zu einer Eruption führen. Dieses Mal sei die Eruptionswolke besonders schnell gewesen, berichtet die NOAA: Sie habe die Erde in nur etwa 25 Stunden erreicht, statt den sonst üblichen drei bis vier Tagen.
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