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Pompeji: Was die Römer ihren Göttern opferten

Forscher untersuchten die Asche in römischen Räucherschalen. Sie fanden nicht nur Spuren heimischer Hölzer, sondern auch Stoffe aus Gegenden fernab des Römischen Reichs.
Eine antike Tonschale mit drei figürlichen Darstellungen am Rand. Eine Figur liegt, sie hält eine Schale. Die beiden anderen sind als Köpfe abgebildet. Im Inneren der Schale befindet sich eine Ansammlung von Asche oder Erde. Am unteren Rand des Bildes ist eine Maßstabsleiste zu sehen.
Am Rand der Schale ist zwischen zwei Frauenköpfen eine weitere Frau auf einer Liege dargestellt. Das Räuchergefäß aus Boscoreale bei Pompeji enthält noch Opferasche.

Ein römischer Haushalt war erst komplett mit einem Hausschrein. Doch was die Römer ihren Hausgöttern darbrachten, war bisher nur aus antiken Schriften und Darstellungen bekannt. Nun haben Fachleute um den Archäologen Johannes Eber von der Universität Zürich die Asche in zwei Räucherschalen aus Pompeji erstmals mit mikroskopischen und chemischen Analysemethoden untersucht. Dabei konnten sie Spuren von Räucherharz nachweisen, das ursprünglich aus Indien oder Subsahara-Afrika in den Mittelmeerraum gelangt war. Zudem sei wahrscheinlich, dass dieses Duftharz verbrannt und Wein hinzugegossen wurde.

»Das war eine tolle Überraschung«, sagt Johannes Eber. »Die Text- und Bildquellen liefern zwar schon eine recht konkrete Vorstellung über römische Rituale, aber jetzt haben wir die Kombination aus Wein und Weihrauch erstmals archäologisch belegen können.« Über seine Ergebnisse berichtet das Forschungsteam im Fachblatt »Antiquity«.

Als 79 n. Chr. der Vesuv ausbrach, versanken Pompeji und die angrenzenden Orte unter einer dicken Schicht Asche und vulkanischen Materials. Bei Grabungen in den Jahren 1954 und 1986 legten Archäologen zwei mit Asche gefüllte Räuchergefäße frei. Das eine fand sich unweit von Pompeji am Hausaltar einer römischen Villa in Boscoreale, das andere stand in einem Gebäude in Pompeji. Eber und seine Kollegen analysierten mikroskopisch und mithilfe der Gaschromatografie sowie Massenspektrometrie, was in den Schalen verbrannt wurde.

Eiche, Lorbeer und Elemi

Dabei stießen sie in der Asche auf pflanzliche Rückstände, darunter Phytolithen. Diese Kieselsäurepartikel aus Pflanzen verbrennen nicht und ermöglichen es, die Pflanzenarten zu bestimmen. Das Ergebnis: Als Brennmaterial könnte Holz oder Holzkohle gedient haben. Und recht wahrscheinlich legte man Hölzchen oder Blätter von Eiche und Lorbeer in die Gefäße. »Die beiden galten in der Antike als heilige Pflanzen und wurden mit Gottheiten wie Jupiter beziehungsweise Apollon verbunden«, erklärt Eber. Ebenso fanden sich Hinweise auf Maulbeergewächse, zu denen die Feige gehört. All diese Gewächse kamen in und um Pompeji vor.

Räuchergefäß aus Pompeji | In der Asche fanden sich Spuren von Hölzern und Gräsern, die darin einst verbrannt worden waren.

Bei der chemischen Analyse fanden die Forscher in einer Räucherschale jedoch einen Stoff aus der Ferne: Offenbar war Elemi, das Harz der Canarium-Bäume, verbrannt worden. »Von Plinius dem Älteren wissen wir, dass die Römer im großen Stil Weihrauch aus Arabien importierten«, sagt Eber.

»Die Überraschung war nun, dass wir hier keinen arabischen Weihrauch, sondern Elemi haben, das entweder aus Indien oder aus Subsahara-Afrika stammte.« Bekannt sei zwar, dass die Römer in beide Regionen Handelsverbindungen unterhielten, Elemi sei aber bislang nicht als Handelsgut im Römischen Reich belegt.

Mit Räucherharz und Wein begann das Ritual

Wie römische Texte und Darstellungen bezeugen, begann das Opferritual in der Regel mit Wein und Weihrauch. »Das war eine Art Einladung an die Götter, am Opfer teilzunehmen und die Gaben zu empfangen«, so der Zürcher Archäologe. Im Räuchergefäß fanden sich neben Elemi auch Spuren von Wein oder Essig. Aus chemischer Sicht sei nicht sicher, was genau in die Schale kam – ebenso könne eine spätere Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden. Wenn die Überreste allerdings römisch sind, dann sei gemäß den Schriften und Bildern am ehesten von Wein auszugehen, so Eber.

Lararium | Bei früheren Grabungen legten Archäologen in Pompeji einen Hausschrein frei. Darin standen ein Räuchergefäß (links), zwei Statuetten von Schutzgöttern (Laren, in der Mitte) und ein Öllämpchen (rechts).

Die Rauchopfer am Hausaltar galten gewöhnlich den Schutzgöttern des Hauses, doch nicht nur ihnen: Aus den Räuchergefäßen schließt Eber, dass auch verstorbene Verwandte Opfer erhielten. So ist der Rand einer der untersuchten Tonschalen mit Figuren von Frauen geschmückt; ein Motiv, das typisch für die Darstellung von Verstorbenen sei. »In Pompeji gab es also auch einen häuslichen Totenkult«, sagt Eber.

Die üblichen Empfänger waren indes Laren und Penaten, die Haus, Grund sowie Vorratskammer und Herdfeuer beschützen sollten. An den etwa 570 erhaltenen Hausschreinen in Pompeji sind sie meist als Statuetten oder in Fresken abgebildet.

  • Quellen
Eber, J. et al., Antiquity 10.15184/aqy.2026.10320, 2026

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