Direkt zum Inhalt

Artenvielfalt: Primaten vom Aussterben bedroht

Hainan-Schwarzer-Schofgibbon
Weltweit ist ein Viertel aller 625 Primatenarten und -unterarten akut von Ausrottung bedroht. Die stärksten Gefährdungen gehen von Entwaldung, Jagd nach so genanntem Buschfleisch und dem illegalen Handel mit lebenden oder toten Affen aus.

Dies berichtet eine Analyse von fünfzig Wissenschaftlern aus 16 Ländern im Auftrag der IUCN-World Conservation Union und der Naturschutzorganisation Conservation International. Viele der gefährdeten Affenspezies leben in den Hotspots der Artenvielfalt, wo die zahlreichen nur dort heimischen Arten stark von schrumpfenden Lebensräumen und hohem Nutzungsdruck betroffen sind. Von den 25 Primatenarten, die am engsten am Abgrund des Aussterbens stehen, leben sogar alle in diesen Zentren der Biodiversität.

Goldkopf-Langur | Der Goldkopf-Langur (Trachypithecus poliocephalus) aus Vietnam zählt zu den 25 am stärksten von der Ausrottung bedrohten Primatenarten der Erde. Er ist gefährdet durch Raubbau an seiner Waldheimat sowie durch den illegalen Handel für die chinesische Medizin und die Heimtierhaltung.
Darunter befinden sich bekannte Namen wie Östliche Flachlandgorillas (Gorilla beringei) oder Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii), aber auch Affen, die gerade erst entdeckt wurden und noch keinen wissenschaftlichen Namen tragen wie der Mount-Rungwe-Galago aus Tansania. Die jeweils vorhandenen Bestandszahlen weisen dabei große Unterschiede auf: Während etwa die Population des Orang-Utans mehrere tausend Kopf stark ist – aber rapide abnimmt – gibt es vom vietnamesischen Goldkopf-Languren (Trachypithecus poliocephalus) oder dem chinesischen Hainan-Schwarzer-Schopfgibbon (Nomascus nasutus hainanus) nur noch wenige Dutzend Tiere in Freiheit. Der Vorsitzende von Conservation International und der Primatengruppe der IUCN, Russell Mittermeier, drückt es drastisch aus: "Würde man alle Exemplare dieser Top 25 in ein Fußballstadion setzen, blieben Sitze frei."

Am bedenklichsten sieht die Situation für die Lemuren auf Madagaskar aus: Die Insel hat in den letzten Jahrhunderten bereits den größten Teil ihrer Waldflächen verloren, und mehr als die Hälfte ihrer endemischen Affenarten ist folglich bedroht. Daher finden sich vier Spezies davon in der Liste der Top 25 – genauso wie aus Vietnam. Die stark um sich greifende Regenwaldabholzung und der Handel mit Affenteilen für die traditionelle chinesische Medizin oder lebenden Tieren für den Heimtiermarkt führen dazu, dass Asien auch fast die Hälfte dieser am stärksten gefährdeten Primaten stellt, gefolgt von Afrika (ohne Madagaskar) mit sieben und Südamerika mit vier Arten.

Wie der Bericht jedoch ebenfalls vermerkt, ist aber noch nicht alles für die nächsten Verwandten des Menschen verloren: So konnten verschiedene Lemuren von Madagaskar und Affen aus Brasilien – etwa das Goldgelbe Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia) als Paradebeispiel für erfolgreichen Naturschutz – von der Liste gestrichen werden. Dennoch mahnt Mittermeier verstärkte Schutzbemühungen an, wobei die Rezepte bereits auf der Hand liegen: Mehr und bessere Schutzgebiete und eine Einschränkung der Jagd.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.