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Seltene Entdeckung: Neue Affenart im Kongobecken gefunden

Die »Zweigschüttler« sind erst die fünfte neu entdeckte Affenart Afrikas in den letzten Jahrzehnten. Sie leben in einem winzigen Verbreitungsgebiet.
Ein Affe sitzt auf einem Ast in einem dichten, grünen Baum. Das Tier blickt direkt in die Kamera, umgeben von Blättern, die das Sonnenlicht filtern. Die Szene vermittelt einen Eindruck von natürlichem Lebensraum und Ruhe im Wald.
Wissenschaftler haben eine zuvor unbekannte Spezies Schwarz-weißer Stummelaffen beschrieben. Die Tiere sind schwer zu beobachten; sie scheinen nur in verstreuten Hochland-Waldflächen im Kongobecken vorzukommen.

Ein Forschungsteam hat im afrikanischen Kongobecken eine neue Primatenspezies entdeckt. Nach Angaben von Fachleuten ist es erst die fünfte neue Affenart, die in den zurückliegenden 75 Jahren in Afrika beschrieben wurde. Die Tiere mit der Bezeichnung Colobus congoensisgehören zur Gattung der Schwarz-weißen Stummelaffen (Colobus) innerhalb der Meerkatzenverwandten, wie das Team um John Hart von der Lukuru Wildlife Research Foundation berichtet.

Bereits im Jahr 2008 gelang Wissenschaftlern eine unscharfe Aufnahme eines solchen Affen. Ein Jahrzehnt später tauchte erneut ein Exemplar auf. Seither gab es Dutzende weitere Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von 1700 Quadratkilometern, was ein relativ kleines Areal ist. Colobus congoensis scheint auf verstreute Hochland-Waldflächen im Kongobecken angewiesen zu sein.

Genetische und anatomische Untersuchungen sowie akustische Analysen bestätigen nun, dass Colobus congoensis eine eigenständige evolutionäre Linie darstellt, die sich wahrscheinlich vor 4 bis 5 Millionen Jahren von anderen Gruppen abgespalten hat. Ihre nächsten bekannten Verwandten sind die Schwarzen Stummelaffen Colobus satanas, die mehr als 1200 Kilometer entfernt im westlichen Zentralafrika leben. Aufgrund des begrenzten Verbreitungsgebiets, des schrumpfenden Lebensraums und des Bejagungsdrucks ist die neu entdeckte Art möglicherweise bereits gefährdet.

Die Tiere haben ein glänzendes schwarzes Fell, lange schwarze Kopfhaare, große Ohren, einen langen Schwanz und einen orangefarbenen Fleck um Mund und Nase herum, der einer Maske ähnelt. Sie sind kleiner als andere Colobus-Spezies und wiegen um die sieben Kilogramm. Angehörige des Forschungsteams, das die neue Affenart beschrieben hat, hatten schon im Jahr 2012 eine zuvor unbekannte Primatenspezies im Zentralkongo entdeckt – nämlich den Lesula (Cercopithecus lomamiensi).

»Wir werden immer wieder daran erinnert, dass das Kongobecken eines der letzten großen Grenzgebiete der Welt für die Entdeckung von Säugern ist«, äußert der Ökologe John Hart, Erstautor der Studie, in einer Pressemitteilung seiner Institution. »Selbst in Regionen, die wissenschaftlich bereits erforscht wurden, kommen immer noch völlig neue Arten ans Licht. Die neue Entdeckung unterstreicht, wie unzureichend die Biodiversität im zentralen Kongobecken dokumentiert ist.«

»Vergleiche des Schädels und Fells von Colobus congoensis mit denen anderer afrikanischer Colobus-Spezies machen deutlich, wie einzigartig die neue Art ist«, betonte die Anthropologin Julia Arenson vom Yale Institute for Biospheric Studies, die an der Studie mitwirkte. »Gleichzeitig konnten wir zeigen, dass sie verschiedene Merkmale der Zähne, des Schädels und des Gesichts mit anderen Colobus-Spezies teilt.« Die Lautäußerungen von Colobus congoensis zeichnen sich durch charakteristische, tiefe, resonante Brüllrufe aus. In einigen wenigen Dörfern der Region kennt man die Tiere unter den Namen »Likweli« und »kasaba nkoni« – wobei Letzteres »der Zweigschüttler« bedeutet.

  • Quellen

Hart, J. et al., PLoS One, 2026

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