Direkt zum Inhalt

Persönlichkeit: Psychopathen genießen die Angst

Wer hohe Psychopathie-Werte aufweist, ist nicht nur besonders furchtlos, sondern erfreut sich an Gewalt und Grusel.
Eine weiße Maske mit leeren Augenöffnungen schaut durch einen schmalen Spalt zwischen zwei dunklen Vorhängen. Die Szene ist in Schwarz-Weiß gehalten und erzeugt eine geheimnisvolle und leicht unheimliche Atmosphäre.
Nicht jeder, der Horrorfilme liebt, ist gleich ein Psychopath. Trotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Psychopathie und der Lust am Abgründigen.

Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitszügen erleben weniger Furcht als die meisten – und wahrscheinlich verspüren sie stattdessen sogar Vergnügen. Das belegt eine Laborstudie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Fernuniversität Hagen.

Die Gruppe um die Psychologin Miriam Hofmann rekrutierte für die Untersuchung 119 Personen, die sich mehrere Videos ansahen. Manche Clips waren furchtauslösend, etwa kurze Ausschnitte aus Horrorfilmen oder Psychothrillern, andere »nur« aufregend, etwa eine Achterbahnfahrt aus der Ich-Perspektive, oder neutral, wie ein Spaziergang durch den Louvre.

Währenddessen erhob das Team die Herzfrequenz ihrer Probanden und fragte sie nach jedem Video, wie sie das Gesehene emotional bewerteten. Psychopathische Charakterzüge wurden per Fragebogen erfasst, mit Statements wie »Ich genieße es, die Gefühle anderer Leute zu manipulieren«.

Wer vergleichsweise hohe Psychopathie-Werte aufwies, beurteilte die angsteinflößenden Szenen im Schnitt weniger negativ als Teilnehmende mit niedrigen Werten – teils sogar als angenehm, etwa mit den Worten »begeistert« oder »entzückt«. Gleichzeitig beschleunigte sich der Herzschlag derer mit Psychopathie-Neigung beim Ansehen dieser Videos stärker als bei anderen Teilnehmenden.

Die Personen mit hohen Psychopathie-Werten reagierten demnach körperlich besonders stark auf Szenen, die vielen anderen Angst machen, bewerteten diese jedoch weniger negativ. Früher sei man davon ausgegangen, dass Menschen mit psychopathischen Eigenschaften schlicht weniger Furcht empfinden – also dass bestimmte Situationen sie eher kaltlassen, so die Forschenden. Stattdessen empfinden sie diese aber womöglich im Gegenteil als besonders angenehm und belebend.

  • Quellen
Hofmann, M. et al., Biological Psychology 10.1016/j.biopsycho.2026.109188, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.