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Kosmologie: Quelle kurzer, kosmischer Gammablitze identifiziert

Nach Ansicht eines internationalen Teams von Astronomen sind Kollisionen von Neutronensternen oder von einem Neutronenstern mit einem Schwarzen Loch für die extrem kurzen Gammablitze aus dem All verantwortlich. Da diese rätselhaften Leuchterscheinungen – ebenso wie Radio- oder Röntgenstrahlen – für das menschliche Auge unsichtbar sind, wurden sie erst Ende der 1960er Jahre entdeckt. Die Blitze dauern oft nur wenige Sekundenbruchteile, strahlen in dieser Zeit aber heller als eine Milliarde Sonnen. Sie gehören damit zu den explosivsten Erscheinungen im Universum. Doch gab es für sie bislang keine Erklärung.

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Aufnahme mit dem Hubble Space Telescope | Diese Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops zeigt am linken Rand des Sternhaufens einen extrem hellen Blitz, dessen Nachleuchten nach einigen Tagen aber wieder verschwindet. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich hier entweder zwei Neutronensterne vereinigten oder dass ein Neutronenstern in ein Schwarzes Loch fiel.
Mit Hilfe mehrerer irdischer Teleskope und der Nasa-Satelliten Swift, Hete 2 und Hubble spürten die Forscher dieses Jahr jedoch zwei derartig kurze Gammablitze auf und analysierten sie, sowie deren Nachleuchten nun. Da die Blitze aus heiterem Himmel und aus beliebiger Richtung auftauchen, vergleichen die Wissenschaftler ihren Erfolg mit dem Aufstöbern eines Fotografen, der einen Kamerablitz in einem gewaltigen Sportstadion ausgelöst hat.

Die Entdecker können mit großer Sicherheit ausschließen, dass die Leuchterscheinung von der Explosion eines einzelnen Sterns stammt. Diese dauern normalerweise mehrere Sekunden. Zudem konnten sie mit großer Sicherheit die Ursprungsorte ausfindig machen. Ein Blitz entstammt einer eher alten elliptischen Galaxie, der andere einer jüngeren, aktiven Formation, in der noch viele Sterne entstehen.

Die Wissenschaftler hoffen nun, künftig gleichzeitig zu den Gammablitzen ebenso Gravitationswellen nachweisen zu können. Nach den Vorstellungen von Albert Einstein sollten derart massereiche Kollisionen das Raum-Zeit-Gefüge messbar erschüttern. Experimentelle Bestätigungen blieben bislang aber aus.
08.10.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 08.10.2005

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