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News: Radikale Vorbeugung

So genannte Superoxid-Dismutasen erfüllen eine wichtige Schutzfunktion der Zellen gegen toxische Sauerstoffradikale. Nun stießen Forscher auf einen Pilz, mit dessen Hilfe sich ein solches Antioxidationsmittel kostengünstig und in großem Maßstab herstellen ließe. Und zumindest im Tierversuch hat es sich bereits als vorbeugend gegenüber Krebs gezeigt.
Antioxidationsmittel sind die Zaubermittel moderner und gesunder Ernährung. Freie Radikale gilt es zu bekämpfen, um so der frühzeitigen Alterung und dem Krebs ein Schnäppchen zu schlagen. Jene Radikale, elektrisch neutrale Teilchen mit einem ungepaarten Elektron, sind zum Teil Produkt des natürlichen Stoffwechsels, schädigen aber auch Zellen oder die DNA selbst und fördern so die Krebsbildung.

Sauerstoffradikale entstehen beispielsweise in den Mitochondrien, wo mithilfe von Enzymen Nährstoffe in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt werden. Der Körper nutzt die dabei frei werdende Energie. Antioxidationsmittel wie Vitamin C, Beta-Karotin oder die so genannten Superoxid-Dismutasen (SOD) können diese reaktiven Moleküle wieder in die harmlose Form des Sauerstoffs verwandeln - einer der Gründe, warum täglich Obst und Gemüse auf den Tisch gehören.

Wolfgang Voelter von der Universität Tübingen und seine Kollegen fanden nun heraus, dass der Pilz Humicola lutea eine besondere Superoxid-Dismutase produziert, die in ihrer Struktur Zuckermoleküle aufweisen und sich bei Ratten bereits als vorbeugend gegenüber Krebs erwiesen hat.

Die an dem Enzym angehängten Zuckermoleküle sind von rein praktischer Bedeutung, denn derlei Verbindungen eigenen sich besser für die Herstellung von Medikamenten, weil sie im Blut- und Plasmakreislauf viel länger wirksam bleiben. Oft müssen diese stabilisierenden Zucker während der industriellen Herstellung künstlich und kostenintensiv zugesetzt werden. Und da es sich bei diesem neuen Enzym um das Produkt eines Pilzes handelt, ließe sich ein solches Medikament hochrein und in großen Mengen herstellen.

Allerdings gilt wie immer: Der Weg vom Nager zum Menschen ist ein langer. Und überhaupt streiten sich die Forscher, inwieweit hohe Dosen von Antioxidantien wie Vitamin C, Beta-Karotin oder Superoxid-Dismutasen das Krebsrisiko vermindern. Einer der ausgewiesenen Forscher auf dem Gebiet ist Andrew Collins vom Rowett Research Institute, und der steht dem eher skeptisch gegenüber. Allerdings räumt er ein, dass Voelters Experimente in der Tat dafür sprechen.

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  • Quellen
Microbiology 147: 1641–1650 (2001)

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