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Sprachverarbeitung: Rätselhafte Untertöne

Musik und Satzmelodie verarbeitet das Gehirn ähnlich.
Musik

Schon vor über 120 Jahren vermutete Charles Darwin einen gemeinsamen Ursprung der Verarbeitung von Musik und emotionaler Färbung der Sprache im menschlichen Gehirn. Ein internationales Forscherteam bestätigte nun, dass der Evolutionstheoretiker mit dieser These nicht auf dem Holzweg war: Menschen, die von Geburt an keine Melodien wahrnehmen können, tun sich auch mit unterschwellig vermittelten Emotionen in der täglichen Kommunikation schwer.

Zwölf Probanden mit angeborener Amusie unterzogen sich den Tests des Teams um William Forde Thompson von der australischen Macquarie University in Sydney. Diese neuropsychologische Störung macht es für Betroffene unmöglich, Melodien oder Rhythmen zu erkennen, obwohl ihr Gehör völlig intakt ist. Aussage- oder Fragesätze unterscheiden Amusiker beispielsweise nur anhand von Inhalt und Gesprächskontext.

Die Versuchspersonen lauschten über Kopfhörer 96 neutralen Aussagen, die unterschwellig Fröhlichkeit, Zärtlichkeit, Angst, Ärger, Traurigkeit oder keine besondere Emotion vermittelten. Sollten sie nun angeben, wie sich der Sprecher fühlte, lagen Amusiker öfter falsch als Menschen mit einem intakten Sinn für Melodie. Sie verwechselten vor allem Emotionen, die über eine ähnliche Lautstärke und Geschwindigkeit der Sprachabfolgen ausgedrückt werden. So konnten fünf von ihnen die Unterschiede zwischen Angst und Ärger oder Traurigkeit und Zärtlichkeit nicht klar erkennen; nur ein Fünftel der gesunden Versuchspersonen beging die gleichen Fehler. Nach ihrer Gefühlssicherheit im Alltag befragt, gaben die musikalisch eingeschränkten Probanden außerdem an, Emotionen eines Gesprächspartners am Telefon nicht immer zu erfassen; auch mit sarkastischen Äußerungen taten sie sich schwer.

Womöglich versuchen die Amusiker ihre Unfähigkeit, eine Satzmelodie herauszuhören, mit Konzentration auf Lautstärke und Frequenz einzelner Laute zu kompensieren, so die Wissenschaftler. Bei der Sprache seien melodische Unterschiede aber längst nicht so komplex wie bei der Musik, deshalb fielen die Defizite der amusischen Probanden im Alltag nicht allzu gravierend aus.

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