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News: Rätselhaftes Eis auf 8405 Asbolus

Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Da musste das Hubble Space Telescope seine Instrumente inmitten einer Messkampagne kurzfristig abstellen, und statt einem gab es zwei Spektrogramme eines rätselhaften Objektes zwischen Saturn und Uranus. Auf einer Seite findet sich offenbar ein frischer Meteoriteneinschlag, der einen Blick unter die Oberfläche erlaubt. Und dort glitzert sich Eis im Sonnenlicht. Merkwürdiges Eis, das sonst nirgends zu finden ist.
Eigentlich sollte sich der Near Infrared Camera and Multi-Object Spectrograph (NICMOS) des Hubble Space Telescope am 11. Juni 1998 ganze 40 Minuten lang auf 8405 Asbolus konzentrieren, doch aufgrund möglicher Interferenzen mit der irdischen Ionosphäre wurden die Instrumente für einen kurzen Moment abgeschaltet. Dadurch hatten die Astronomen nach fast zwei Stunden schließlich zwei Spektrogramme – und die waren seltsamerweise höchst unterschiedlich!

8405 Asbolus hat einen Durchmesser von rund 80 Kilometern und gehört zu einer merkwürdigen Gruppe von Himmelskörpern. Sie entstanden einst im Kuiper-Gürtel, einer Reihe von Kometen jenseits der Bahnen von Neptun und Pluto. Unter ihnen befinden sich auch die Zentauren, die irgendwann – vielleicht durch die Anziehungskraft des Neptun – in das Innere des Sonnensystems gerieten. 8405 Asbolus ist einer von 21 derzeit bekannten Zentauren, die auf ganz unterschiedlichen, exzentrischen Bahnen die Wege von Neptun, Jupiter und Saturn kreuzen. Ihren Namen erhielten die Zentauren von dem griechischen Fabelwesen aus Mensch und Pferd, denn sie gehören weder zu den Kometen noch zu den Asteroiden.

Die Spektrogramme sollten Aufschluss über die chemische Zusammensetzung des Zentauren geben. Dazu misst das NICMOS-Instrument die Zusammensetzung des Sonnenlichtes, das von Asbolus' Oberfläche reflektiert wird. Das erste Spektrogramm war durch außergewöhnliche Helligkeit geprägt und zeigte ein überaus kompliziertes Lichtspektrum. Das zweite Spektrogramm – aufgenommen nach der kurzen Unterbrechung – war hingegen wenig spektakulär und ähnelte den kurz zuvor gewonnenen Daten des W.M. Keck Observatory.

"Wir haben die Unterschiede zunächst überhaupt nicht deuten können", meint Donald McCarthy vom Department of Astronomy der University of Arizona. "Nun glauben wir, dass wir ein sphärisches, dunkles Objekt mit einem sehr hellen Krater sehen". Da sich Asbolus alle 4,5 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, hatten die Forscher Glück, dass sie zufällig zwei Spektren bekamen, die in einem Fall den geheimnisvollen Krater abbildeten. Und in diesem Krater befindet sich – bloßgelegt durch den Einschlag – Eis. Eis, dass nicht nur aus Wasser besteht und in seiner chemischen Zusammensetzung bisher unbekannt war. "Es ist dem Wassereis schon sehr ähnlich," berichtet Susan Kern, die das Projekt an der University of Arizona leitet, "aber in Details unterscheidet es sich doch".

Der Krater entstand vermutlich erst in jüngster Vergangenheit. Für die Astronomen ist dies ein Zeitraum von höchstens zehn Millionen Jahren. Der Einschlag könnte die Oberfläche stark erhitzt haben, vielleicht wurde 8405 Asbolus ja auch deshalb seinerzeit aus dem Kuiper-Gürtel gekickt. Jedenfalls scheint es, als seien die Kohlenstoffverbindungen im Eis des Kraters chemisch verändert worden. Somit ist die Zusammensetzung des Eises weiterhin rätselhaft, denn ähnliche Spektren finden sich sonst nirgends.

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