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Indischer Ozean: Rätselhaftes Erdbeben ist wohl aufgeklärt

Eine mysteriöse Erschütterung im November 2018 hatte eine spektakuläre Ursache, wie die Sonardaten eines Forschungsschiffs nun zeigen.
Nahaufnahme eines Seismografen.Laden...

Eine ungewöhnliche Serie von Erschütterungen stellte im November 2018 die Fachwelt vor ein Rätsel. Das Ereignis nahe der Insel Mayotte zwischen Madagaskar und dem afrikanischen Kontinent ähnelte keinem jemals beobachteten klassischen Erdbeben: Einige Wellentypen fehlten völlig, während sich ein einzelner Ton bei tiefen Frequenzen über 20 Minuten regelmäßig alle 17 Sekunden wiederholte. Nun ist der Ursprung der seltsamen Erschütterungen wohl geklärt. Wie Fachleute schon im März 2019 vermuteten, steckte ein Vulkan hinter dem Phänomen. Was dann aber auf den Sonarbildern des Forschungsschiffs »Marion Dufresne« zu sehen war, übertraf die Erwartungen deutlich: Am Meeresboden vor Mayotte erhebt sich ein 800 Meter hoher Vulkan, wo noch vor einem halben Jahr der Meeresboden sanft zur Tiefsee hin abfiel. Etwa fünf Kubikkilometer Magma ergossen sich dort binnen weniger Monate – genug, um das gesamte Saarland zwei Meter hoch zu bedecken, und die zumindest wahrscheinliche Erklärung für die Erschütterungen von 2018.

Dass sich unter Wasser vor der Insel etwas tat, war der Bevölkerung der Insel auch ohne die Hilfe der Wissenschaft klar: Fast täglich erschütterten kleine Erdbeben Mayotte, außerdem berichteten Fischer immer wieder von Fischsterben in der betroffenen Region. Die Daten des Forschungsteams vervollständigen nun jedoch das Bild. Neben dem Vulkanbau selbst zeigt die Schallortung eine Spur aus Gasblasen, die zwei Kilometer Richtung Oberfläche reicht – der Vulkan erhebt sich allerdings in etwa 3500 Meter Tiefe, an der Oberfläche ist also nichts von der Aktivität unter Wasser sichtbar.

Die seismischen Daten weisen zudem auf die Existenz einer Magmakammer in 20 bis 50 Kilometer Tiefe hin, die sich langsam leert. Dadurch sinkt die gesamte Insel ab: innerhalb eines Jahres um 13 Zentimeter. Nun stehen Fachleute vor einem neuen Mysterium: Woher kommt all das geschmolzene Gestein? Bis heute ist nicht einmal geklärt, weshalb sich überhaupt Vulkaninseln in jener Meeresregion bildeten. Möglicherweise entstanden die Komoren, zu denen Mayotte gehört, einfach durch einen vulkanischen Hotspot, ähnlich dem von Hawaii. Manche Fachleute gestehen der Vulkangruppe auch einen aufregenderen Ursprung zu – demnach stehen die Komoren im Zusammenhang mit dem Auseinanderbrechen Afrikas entlang des Ostafrikanischen Grabens.

22/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22/2019

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