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Evolution: Rasch mutiertes Gen zeichnet Gehirn des Menschen aus

Chinesische Wissenschaftler entdecken im humanen Genom Indizien für die rasante Evolution, die der Mensch vollzog, seit sich seine Linie von der der Menschenaffen trennte. Bei einem Schlüsselgen der Hirnwicklung wies die Arbeitsgruppe um Bing Su vom Kunming-Institut für Zoologie zahlreiche genetische Umbauten nach, während das Gen bei allen anderen Säugetieren in fast unveränderter Form vorliegt.

Die Untersuchung des Erbguts lieferte bislang wenig Argumente für die auffällige Besonderheit des Menschen bezüglich Hirnleistung und Verhalten. Die Sequenz seiner DNA stimmt zu 99 Prozent mit der seines nächsten lebenden Verwandten, des Schimpansen, überein. Die anatomische Komplexität der Gehirne unterscheidet sich bei Mensch und Schimpanse jedoch erheblich, seitdem sich die Wege ihrer Vorfahren vor etwa fünf bis sieben Millionen Jahren getrennt haben.

Aus dem Gen, das die Forscher nun unter die Lupe nahmen, geht das 176 Aminosäuren lange Protein PACAP hervor. Dieses beeinflusst nach neueren Studien als Neurotransmitter und Neurohormon entscheidend die Reifung der Großhirnrinde. Gegenüber der Proteinsequenz von Schimpansen sind beim menschlichen PACAP 17 Aminosäuren ausgetauscht. Elf davon sind bei allen untersuchten nicht-menschlichen Säugetieren – von der Maus bis zum Affen – gleich.

Den Ergebnissen zufolge veränderte sich das humane PACAP mehr als zehnmal schneller, als es normalerweise bei der Auseinanderentwicklung von Arten der Fall ist. Nach Ansicht der Wissenschaftler drückt sich hier der starke Selektionsdruck auf kognitive Fähigkeiten aus. Bei Vertretern verschiedener menschlicher Ethnien war die PACAP-Sequenz identisch.

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