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Evolution der Säugetiere: Ratten rotteten Mäuse-Methusalem aus

Die Karibischen Spitzmäuse stellten eine der allerältesten Linien der Säugetiere - bis Ratten sie auch von der letzten Insel verdrängt und ausgerottet haben. Mitschuldig sind spanische Konquistadoren.
Ein schnüffelnde Ratte vor schwarzem HintergrundLaden...

Einige unscheinbar mausgraue Tiere sind für Zoologen spannender als Elefant, Erdmännchen und Faultier – weil die kleinen Insektenfresser noch heute den ausgestorbenen ersten Säugetieren ähneln, mit denen vor Millionen von Jahren der Siegeszug der Säuger nach dem Aussterben der Dinosaurier begann. Als besonders interessanter Vertreter gelten dabei die Karibischen Spitzmäuse: Sie gehören, vermuteten Forscher schon lange, zu einer uralten Linie, die auf der vom Rest der globalen Fauna recht isolierten Inselheimat überdauerte. Genaue Untersuchungen waren bis heute allerdings schwierig, denn die Spitzmaus ist spätestens im 19. Jahrhundert ausgestorben. Nun konnte ein Team die genetische Ahnenlinie der Tiere trotzdem posthum ermitteln: Die Forscher isolierten dazu genetisches Material aus Knochenfragmenten.

Die Analysen waren nur möglich, weil die Technik der DNA-Extraktion aus alten organischen Überresten in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Dem Forscherteam um Ian Barnes vom Natural History Museum in London gelang es – auch mit Unterstützung der Paläogenetik-Gruppe der Universität Mainz –, ein nahezu komplettes Mitochondriengenom aus Knochen einer Karibischen Spitzmaus der Gattung Nesophontes zu isolieren, die vor 750 Jahren auf der Insel Hispaniola gestorben war. Den Analysen zufolge spaltete sich die Linie dieser Spitzmäuse vor mindestens 40 Millionen Jahren von ihrer Schwestergruppe, den Schlitzrüsslern ab, die heute noch mit zwei Arten in der Karibik vertreten sind.

Die zu den evolutiv alten Insektenfressern zählenden Karibischen Spitzmäuse und Schlitzrüssler gehören wohl zu einer Linie, die schon vor sehr langer Zeit auf den Karibikinseln isoliert wurde. Während die nahen Verwandten im Rest der Welt ausstarben, konnten sich die Tiere auf den Inseln halten und entwickelten sich dort nur noch langsam – sie dürften demnach frühen Vertretern der Säugetiere stark ähneln, die womöglich bereits vor dem Aussterben der Dinosaurier und der Blüte der anderen Säugerfamilien lebten. Während die Schlitzrüssler noch heute existieren, starben die Karibischen Spitzmäuse dann aber vor wenigen Jahrhunderten doch aus: Schuld sind womöglich die überlegenen Ratten, die spanische Eroberer in die Neue Welt eingeschleppt hatten.

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