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Raubkatzen: Wie kam es zu mumifizierten Geparden in Arabien?

Menschen hatten bei diesen Mumien nicht ihre Hand im Spiel. Die Körper der Raubkatzen wecken jedoch Hoffnungen auf Wiederansiedlung der Art in der Wüste.
Eine Nahaufnahme eines mumifizierten Tieres, das auf einer weißen Oberfläche liegt. Der Fokus liegt auf dem Kopf, der detailliert die erhaltenen Zähne und die Struktur der Haut zeigt. Die Textur und Farbe der Mumie sind gut sichtbar, was auf den Verfall und die Konservierung hinweist.
Insgesamt sieben mumifizierte Exemplare fanden Forscher in der Höhle.

Heute leben nur noch wenige Tausend Geparde (Acinonyx jubatus) auf einem Gebiet, das maximal ein Zehntel der früheren Verbreitung entspricht. In Asien überlebten ganz wenige der Raubkatzen in den entlegenen Wüsten im Iran – immerhin versucht man, sie in Indien wieder anzusiedeln. Ausgerechnet der Fund von sieben mumifizierten Exemplaren in einer Höhle auf der arabischen Halbinsel weckt Hoffnungen, dass die Art auch hier wieder heimisch werden könnte. Entdeckt wurden die Körper von einem Team um Ahmed Al Boug in der Nähe der Stadt Arar im Norden Saudi-Arabiens – zusammen mit den Skeletten Dutzender weiterer Geparde.

Bis in die 1970er Jahre lebte die asiatische Unterart der Geparde Acinonyx jubatus venaticus in Arabien, bevor sie durch Jagd ausgerottet wurde. Als Al Boug und sein Team die Mumien und Skelette jedoch genetisch untersuchten, erlebten sie eine Überraschung: Zwei der sieben Mumien – darunter das älteste Exemplar – und mehrere Skelette ähnelten am stärksten der nordwestafrikanischen Unterart Acinonyx jubatus hecki. Die anderen untersuchten Tiere glichen dagegen Vertretern der asiatischen Geparde, wie sie heute noch im Iran vorkommen.

Eine Altersdatierung ergab, dass die ersten Katzen vor etwa 4000 Jahren in der Höhle verendeten, während die Mumien zwischen 130 und etwa 1870 Jahre alt sind. Das trockene und heiße Klima und die geschützte Situation in der Höhle hatten dafür gesorgt, dass die Geparden auf natürliche Art und Weise mumifizierten. Wie die Geparden in die Höhle gelangten, ist unbekannt, aber wahrscheinlich nutzten sie diese als Rückzugsort, etwa um Jungtiere in ihrem Schutz großzuziehen oder der Hitze zu entfliehen. Dafür sprechen auch getrocknete Kotreste und ausgewürgte Knochen.

Ursprünglich wollten die Wissenschaftler in den unterirdischen Kammern nach Fledermäusen und Wirbellosen suchen, um sie zu studieren. Zu ihrem Erstaunen stießen sie dabei auf die zahlreichen Überreste der flinken Raubkatzen, die in früheren Zeiten ähnlich wie Falken dazu trainiert wurden, mit adeligen Menschen und Würdenträgern zu jagen. Später wandte man sich dann gegen die Raubkatzen und jagte diese als Sport bis zur Ausrottung.

Da früher auch Vertreter der nordwestafrikanischen Unterart hier gelebt haben, könnten nun Nachfahren dieser Geparden in Arabien ausgewildert werden, um einen neuen Bestand aufzubauen. Mit nur rund 400 überlebenden Exemplaren ist diese Unterart ebenfalls stark gefährdet, doch leben einige auch in Zoos und könnten – entsprechende Zuchterfolge vorausgesetzt – wieder in Saudi-Arabien heimisch werden. Schutzgebiete in der Wüste gibt es bereits, wo wichtige Beutetiere ebenfalls angesiedelt werden. Bis Geparde jedoch erneut die Trockengebiete Arabiens durchstreifen werden, ist es allerdings noch ein sehr langer Weg.

  • Quellen
Al Boug, A. et al., Communications Earth & Environment 10.1038/s43247–025–03021–6, 2026

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