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Zoologie: Raubwanzen jagen ihre Opfer auf zweierlei Weise

Pholcus phalangioides
Spinnen sind geschickte Räuber, die ihre Beute mit ihren Kieferklauen töten und aussaugen. Doch nicht alle Insekten, die in ihr vermeintlich todbringendes Netz geraten, fallen den achtbeinigen Tieren zum Opfer. Raubwanzen der Gattung Stenolemus machen selbst Jagd auf Webspinnen – und zwar auf zweierlei Art, wie jetzt Anne Wignall und Phillip Taylor von der Macquarie University in Sydney herausfanden: Die Insekten pirschen sich entweder an die Spinne heran oder locken das Opfer zu sich.

Stenolemus bituberus | Die Raubwanze Stenolemus bituberus pirscht sich entweder an ihr Opfer heran oder lockt die Beute an.
Die Forscher setzten australische Raubwanzen der Art Stenolemus bituberus in die Netze von fünf unterschiedlichen Spinnenarten und beobachteten das Verhalten der Tiere. Wenn sich die Wanzen an ihre Opfer heranschlichen, zupften sie vor jedem Schritt bis zu fünfmal mit ihren Vorderbeinen an den Netzen. Außerdem dehnten und zerrissen sie die Fäden des Spinnennetzes und bewegten sich unregelmäßig auf und ab. Die ungleichmäßigen Vibrationen führten dazu, dass die Spinnen die Angreifer nicht wahrnehmen konnten.

Um die Spinnen in ihre Klauen zu locken, dehnten die Wanzen die Seide und zupften bis zu 20 Minuten an den Fäden der Spinnennetze und imitierten so die Vibrationen, die ein gefangenes Insekt verursacht. In der Annahme, auf Beute zu stoßen, kamen die Spinnen herbeigeeilt und wurden von den Wanzen attackiert. Doch bevor sich die Räuber über ihre ahnungslosen Opfer hermachten, tasteten sie die Spinnen systematisch mit ihren Fühlern am ganzen Körper ab. Nach Ansicht der Forscher reduziert dieser physische Kontakt die Aggressivität der Spinnen und macht sie gegen den Angriff seitens der Wanzen wehrlos. (pf)

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  • Quellen
Wignall, A., Taylor, P.: Predatory behaviour of an araneophagic assassin bug. In: Journal of Ethnology 10.1007/s10164–009–0202–8, 2010.

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