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Rauchentwöhnung: Auch E-Zigaretten fördern Lungenkrebs

Ein Rauchstopp lohnt sich, denn er senkt deutlich das Risiko für den oft tödlich verlaufenden Lungenkrebs. Wie eine großangelegte Studie jetzt aber zeigt, gilt das nur, wenn man die Finger auch von E-Zigaretten lässt.
Eine Person mit lila Haaren bläst eine große Wolke aus Dampf in die Luft. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt eine städtische Umgebung mit Bäumen und Gebäuden. Die Szene vermittelt eine entspannte Atmosphäre.
E-Zigaretten haben als angeblich »harmlose« Alternative zu herkömmlichen Zigaretten an Beliebtheit gewonnen.

Ein kompletter Rauchstopp schlägt den Wechsel auf die E-Zigarette, wie eine Langzeitstudie mit mehr als 4,5 Millionen Menschen in Südkorea zeigt. Der Veröffentlichung in »Nature Medicine« zufolge haben Raucherinnen und Raucher, die lediglich auf Vapes umsteigen, ein deutlich höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken und daran zu sterben, als wenn sie ganz aufhören zu qualmen.

Seit der Einführung von E-Zigaretten hat deren Konsum weltweit rapide zugenommen. Ihre Beliebtheit geht unter anderem auf die vielfältigen Geschmacksrichtungen und die leichte Verfügbarkeit zurück. Viele Menschen nutzen sie als nikotinhaltigen, aber tabakfreien Ersatz, um vom Zigarettenrauchen loszukommen. Dabei sind Vapes vermutlich alles andere als harmlos. In ihren Aerosolen finden sich zum Beispiel Krebs erregendes Formaldehyd, giftiges Acrolein, freie Radikale sowie toxische Metalle. Es mehren sich entsprechend die Hinweise darauf, dass auch E-Zigaretten gesundheitsgefährdend und krebserregend sind. Die aktuelle Studie gehört zu den ersten großen Langzeitstudien, die eine Einschätzung des damit verbundenen Lungenkrebsrisikos ermöglichen.

E-Zigaretten sind keine gute Alternative

Das Team um Yeon Wook Kim vom Seoul National University College of Medicine bediente sich hierbei der Gesundheitsdaten aus dem Korean National Health Screening Program und analysierte die Einträge von 4,5 Millionen Rauchern ab 2018 über einen Zeitraum von sechs Jahren. Das Resultat: Personen, die von konventionellen Zigaretten langfristig auf Vapes umgestiegen waren, zeigten im Vergleich zu jenen, die einen kompletten Rauchstopp vollzogen hatten, ein um mehr als 50 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, und ein doppelt so hohes Risiko, daran zu sterben. Besonders gefährdet waren starke Raucher im Alter zwischen 50 und 80 Jahren. Insgesamt war das Dampfen mit einem ähnlichen Risiko für Lungenkrebs und dadurch verursachtem Tod assoziiert wie das Rauchen von Tabakzigaretten.

»Ein vollständiger Rauchstopp ist die beste Option«Ute Mons, Gesundheitswissenschaftlerin

Die Studie leidet unter einigen Einschränkungen, wie die Autorinnen und Autoren selbst einräumen. Dazu gehört unter anderem, dass die Angaben zum Rauchen auf Selbstauskünften beruhten und der Erfassungszeitraum von maximal sechs Jahren etwas kurz ist, um das volle Risiko für Lungenkrebs und Mortalität zu erfassen. Außerdem waren die Fallzahlen in manchen Subgruppen mit E-Zigaretten-Nutzung sehr klein, was die Aussagekraft stark begrenzt.

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, die an der Studie nicht beteiligt war, betont gegenüber dem Science Media Center (SMC) jedoch: »Auch wenn die Ergebnisse aufgrund der Limitationen der Daten und des Studiendesigns die Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten vermutlich überschätzen, erscheint dieses grundsätzliche Muster in der Studie insgesamt robust.« Alles in allem stützten die Ergebnisse eine Empfehlung, die auch in der deutschen Leitlinie zur Tabakentwöhnung verankert ist: Ein vollständiger Rauchstopp sei die beste Option. Dieser lasse sich laut Mons am zuverlässigsten mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung erreichen, gegebenenfalls ergänzt durch Nikotinersatzprodukte oder Medikamente zur Tabakentwöhnung.

»Diese Studie entlarvt das als gefährlichen Trugschluss für die Lunge«Reiner Hanewinkel, Psychologe

Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel, nimmt die Hersteller in die Verantwortung: »Die Tabak- und E-Zigarettenindustrie wirbt massiv damit, dass E-Zigaretten eine ›gesündere‹ Alternative seien. Diese Studie entlarvt das als gefährlichen Trugschluss für die Lunge.« Natascha Sommer, Leiterin der Pneumologischen Ambulanz am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, lenkt in einem SMC-Statement das Augenmerk auf die Gefahr für Kinder und Jugendliche. So solle »diese Studie einen Weckruf darstellen, die Gefahren von E-Zigaretten nicht zu verharmlosen und die Zugangsbeschränkungen für Kinder und Jugendliche konsequent umzusetzen.«

Die Experten geben aber auch zu bedenken, dass die Generalisierbarkeit der Ergebnisse aus der koreanischen Studie begrenzt sei, zumal die Kohorte zu 94 Prozent aus Männern bestand. Es müssten weitere Studien in EU-Ländern folgen, um das Bild zu vervollständigen.

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  • Quellen

Kim, Y. W., et al., Nature Medicine 10.1038/s41591–026–04 469–5, 2026

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