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News: Rauhe Sitten bei Pinguinen

Wieso laufen bei den Pinguinen die Eltern erst einmal davon, wenn Sie ihre Jungen zum Essen gerufen haben? Biologen vermuten, daß die schwächeren Küken dadurch eine größere Chance haben, ein wenig Nahrung abzubekommen.
Hatten Sie je das Gefühl, von Ihren Eltern schlecht behandelt worden zu sein? Dann sollten Sie für junge Adelie-Pinguine ein echtes Bedauern aufbringen können. Bevor die Eltern für ein solches Küken auch nur einen Bissen Nahrung wieder hervorwürgen, muß das Junge ihnen bis zu einer halben Stunde hinterherlaufen. Aber es ist tatsächlich nicht so, daß die erwachsenen Tiere ihre elterlichen Pflichten vernachlässigen würden. Nach einer in der November-Ausgabe von Animal Behaviour veröffentlichten Studie vermindert diese seltsame Prozedur die Kämpfe zwischen den Küken und hilft den schwächeren zu überleben.

Über Jahrzehnte haben sich Biologen gewundert, warum diese seltsamen „Fütterungsjagden” stattfinden. „Es sieht aus wie ein alter Charlie Chaplin-Film„, meint die Leiterin der Studie, Dee, Boersma, Biologin an der University of Washington. Bei den Adelie-Pinguinen watscheln die Eltern auf eine Herde unbeaufsichtigter Küken zu und rufen ihre Jungen. Diese drängeln sich sofort um sie. „So schnell wie ihre kleinen Füße sie nur tragen”, sagt Boersma. Die Eltern reißen zunächst aus, halten dann aber nach ca. 50 Metern an, um eines der bettelnden Küken mit etwas Futter zu versorgen. Dann beginnt die Flucht von neuem. Ist kein Futter mehr vorhanden, stürzt sich das Elterntier in die Fluten, um Nachschub zu besorgen.

Einige Experten nehmen an, daß diese Jagden dazu da sind, ein eingeschränktes Nahrungsangebot zu rationieren. Darin sieht Boersma keinen Sinn: „Wenn wenig zu essen da ist, hätten Sie auch keine Lust nach Hause zu kommen, um ihre Kinder erst einmal um den Eßtisch zu jagen. ”Boersma vermutet eher, daß die Zickzack-Manöver den schwächeren Küken eine Chance geben, an etwas Futter zu kommen, ohne daß ihm seine stärkeren Nestgefährten auf den Fersen sind.

Die Wissenschaftlerin und ein Kollege, Lloyd Davis, von der University of Otago in Neuseeland, nutzten Beobachtungen auf Ross Island um diese Vermutung zu überprüfen. Und tatsächlich sieht es so aus, als wäre nun ein „Rätsel der Antarktis” gelöst: Die Verfolgungsjagden ermöglichen in der Tat den schwächeren Küken, ebenfalls ihren Teil des Futters zu bekommen. Es ist wohl immer noch besser, seiner Mahlzeit hinterherzulaufen, als dauernd beiseite geschubst zu werden.

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