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Reborn-Babys: Im Puppenfieber

Erwachsene, die mit verblüffend realistisch aussehenden Babypuppen spielen – das klingt für viele befremdlich. Einblicke in eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung.
Je echter die Puppe wirkt, desto hochwertiger die künstlerische Arbeit.
Nina liegt in einem alten Klinikbettchen für Neugeborene. Ihren kleinen Kopf schützt ein gestricktes Mützchen. Am Körper trägt sie rosa Kleidung. Ihre Wangen sind leicht gerötet. Sie scheint zu schlafen. Gleich daneben lehnt George, ebenfalls ein Baby, hellwach am ­Kopfende eines zweiten Bettchens. Auf der Kette seines Schnullers steht sein Name. Mit dem weißen Sonnenhut und den kleinen Schuhen sieht er aus, als bräche er gleich zu einem Sonntagsausflug auf. Auch Annie ist sommerlich gekleidet. Sie ist größer als Nina und George und sitzt im Hochstuhl in der Zimmerecke, die Sabine für die drei hergerichtet hat. »Alles wirkt hier harmonisch in Rosa und Hellblau. Es gibt mir ein gutes Gefühl, meine Nursery anzuschauen«, sagt Sabine. »Nursery« ist das englische Wort für »Kinderzimmer«. So nennen Fans von Baby-Puppen die Räume für ihre Schätze.Nina, George und Annie sehen aus wie echte Kinder, doch in Wirklichkeit sind sie Puppen. Sie werden ausgehend von Babypuppen-Rohlingen aus Silikon oder dem Kunststoff PVC, häufig auch Vinyl genannt, in aufwändiger Handarbeit individuell gefertigt und dabei quasi »wiedergeboren« – daher der englische Name »reborn«. Dafür wird die Haut gefärbt, werden einzelne Äderchen aufgemalt, die geschlossenen Nasenlöcher oft aufgebohrt, Glasaugen in die Augenhöhlen gesetzt und bei einigen Modellen die Haare einzeln auf dem Kopf befestigt. Die Puppe wird mit verschiedenen Materialien gefüllt, bis sie so schwer im Arm wiegt wie ein echtes Kind. Ein Magnet am Mund sorgt dafür, dass der Schnuller nicht verrutscht.Die Herstellung einer Reborn-Puppe dauert mehrere Tage. Das Ergebnis lässt die ...

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  • Quellen

Baby Talk. Ein Blog von Emilie St-Hilaire mit einigen Umfrageergebnissen (2018)

Ellis, A. C., Hall, G. S.: A study of dolls. The Pedagogical Seminary 4, 1896

Fooken, I.: Puppen – Heimliche Menschenflüsterer. Ihre Wiederentdeckung als Spielzeug und Kulturgut. Vandenhoeck & Ruprecht, 2012

Holler, A., Götz, M.: Nicht ohne meinen Teddy! Die Gefährten der Kindheit. Eine Kooperationsstudie der Stiftung »Chancen für Kinder durch Spielen« und des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), 2011

Pfeifer, K.: Das pädagogische Potential eines Übergangsobjektes in Transitionskontexten. Ein Schulteddy als nachhaltige ­Interventionsmaßnahme beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Studien zur Schulpädagogik 87, 2019

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