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Reptilien: Die unbekannte Vielfalt im Karst

Stark zerklüftet und schwer zugänglich: In den Kalkbergen Südostasiens verbergen sich viele unbekannte Reptilien. Doch es drohen die Bagger.
Unbekannte Schlangenart
Diese unbekannte Art aus der Unterfamilie der Grubenottern wird noch wissenschaftlich beschrieben.

Zu den eindrucksvollen Landschaften im Drei-Länder-Bereich zwischen Kambodscha, Laos und Thailand gehört der Kegelkarst: stark zerklüftete Kalkberge, die aus umliegenden Ebenen herausragen. Sie sind schwer zugänglich und kaum erforscht; jede Expedition birgt die Chance auf unbekannte Arten. Wie vielfältig gerade auch die Reptilienfauna in diesen Ökosystemen sein kann, zeigen Erkundungen, die ein Team um Sothearen Thi von Flora & Fauna International im Westen Kambodschas durchgeführt hat. Mindestens sieben neue Reptilienarten konnten in dem vergleichsweise kleinen Gebiet ausfindig gemacht werden: sechs Geckos und eine Grubenotter.

Die Arbeitsgruppe hatte über zwei Jahre hinweg unterschiedliche Kalkberge aufgesucht und dort unter anderem eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Fledermäuse, Schnecken sowie Reptilien und Amphibien gemacht. Außerdem beobachteten sie Säugetiere und Vögel mithilfe von Kamerafallen. Der Karst weist jede Menge Höhlen und Spalten auf, in denen zahlreiche Fledermäuse schlafen und ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Da zwischen den einzelnen Erhebungen oft große Distanzen liegen, haben sich weniger mobile Arten wie Schnecken oder Geckos im Laufe der Zeit auseinanderentwickelt und endemische Spezies hervorgebracht. Sie sind daher nur sehr kleinräumig verbreitet, was zu einer enormen Vielfalt etwa bei Mollusken geführt hat.

Zu den spektakulärsten Entdeckungen zählt eine Grubenotter aus der Gattung Trimeresurus, die intensiv türkis gefärbt ist und einen roten Schwanz besitzt. Wie ihre Verwandtschaft ist sie wahrscheinlich stark giftig und jagt ihre Beute mithilfe eines grubenförmigen Sinnesorgans, das sich hinter ihren Nasenlöchern befindet. Bei den Geckos gibt es mindestens eine Neubeschreibung aus der Gattung Dixonius, von der es im benachbarten Thailand deutlich mehr Arten als in Kambodscha gibt: Thi und Co gehen daher von einer großen Zahl an noch unbekannten Spezies aus.

In die Kamerafallen tappten zudem zahlreiche Säugetier- und Vogelarten wie das vom Aussterben bedrohte Malaiische Schuppentier (Manis javanica) oder der gefährdete Grüne Pfau (Pavo muticus) sowie verschiedene Affen und Wildrinder. Sie nutzen den Karst als Rückzugsraum, da die umliegenden Ebenen bewirtschaftet werden. Landwirtschaft stellt für die Karstbewohner keine Gefahr dar, im Gegensatz zum Bergbau: Kalkberge werden teils komplett abgetragen, um die Grundlage für Zement zu gewinnen. Eine beträchtliche Anzahl an Karsthügeln wurde dadurch in den letzten Jahrzehnten komplett zerstört – und mit ihnen wahrscheinlich viele unbekannte Arten.

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