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Vernachlässigte Krankheiten: Resistente Bakterien verursachen Typhusepidemie

In Afrika tötet eine bisher übersehener neuer Typhuskeim viele Menschen: Unerkannt hat er Resistenzen gegen die wichtigsten Antibiotika entwickelt.
Illustration des Typhus-ErregersLaden...

Eine bis dato unterschätze Typhusepidemie in Afrika geht offenbar auf das Konto eines neuen, gegen gängige Antibiotika resistenten Bakteriums, berichten Forscher in einer neuen Studie in "Nature Genetics". Zuvor hatte man in verschiedenen einzelnen Regionen zwar eine Zunahme von Typhusfällen erkannt, den neuen gefährlichen Auslöser der Erkrankung aber übersehen, wie "Nature News" zusammenfasst.

Die mit verunreinigtem Trinkwasser verbreitete Infektion mit dem Bakterium Salmonella enterica enterica Serovar Typhi ist vor allem ein Problem der Entwicklungsländer. In einzelnen Staaten Afrikas nahmen dabei die Fallzahlen deutlich zu: So etwa in einem Krankheitsgebiet in Malawi, wo im letzten Jahr 782 neue Fälle gezählt wurden. Das allein war niemandem besonders aufgefallen – Analysen der verantwortlichen Stämme zeigen nun aber, dass plötzlich 97  Prozent dieser Infektionen auf antibiotikaresistente Stämme zurückzuführen sind, die zuvor kaum eine Rolle gespielt hatten. Ein ähnliches Bild ergab sich bei genauerem Hinsehen nun auch in anderen Typhusregionen der Welt – überall grassiert offenbar ein Stamm namens "H58", der gegen verschiedene ältere, aber oft eingesetzte Antibiotika wie Penizillin resistent ist. Zudem gäbe es aber auch schon Fälle, in denen neuen Antibiotika-Alternativen wie Fluorochinolon und Azithromycin wirkungslos bleiben.

Der Stamm entstand wohl, ergaben die Analysen der Forscher, vor rund 25 bis 30 Jahren in Asien, hat sich dann erst in den Mittleren Osten und den Pazifikraum ausgebreitet und gelangte schließlich mehrfach auch nach Ostafrika. Dort scheint er gerade in den Gebieten immer häufiger geworden zu sein, in denen billigere und ältere Antibiotika häufig eingesetzt werden. Bisher hatte niemand die verschiedenen Fallzahlen zusammengetragen, weshalb die neue Bedrohung nicht aufgefallen ist, erklären die Wissenschaftler. Dringend sei angeraten, den Einsatz von Medikamenten auf die Bakterienstämme abzustimmen; zudem sollten womöglich Impfverfahren die Ausbreitung der Krankheit stoppen helfen. Wie schon häufig angemahnt, müsse auch die Diagnostik von Krankheiten in den armen Regionen und Slums in Afrika dringend verbessert werden.

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