Direkt zum Inhalt

Insekten: Riesenstabschrecke protzt, statt sich zu tarnen

Stabschrecken gehören zu den bestgetarnten Wesen der Welt: Meist hält man sie für einen Zweig. Ein Außenseiter dieser Insektengruppe konterkoloriert diese Strategie mit protzig-farbigem Anstrich.
Bunte StabschreckeLaden...

Zwei Strategien bieten sich an, wenn wenig wehrhafte Tiere nicht von hungrigen Räubern gegessen werden wollen: Sie können sich bis zur Unsichtbarkeit tarnen – oder knallbunt davor warnen, dass sie furchtbar bitter schmecken und giftig sind. Beides gleichzeitig erscheint wenig sinnvoll, kann aber durchaus einmal vorkommen, wie die auf Madagaskar neu entdeckte Riesenstabschrecke Achrioptera manga beweist: Ihre Männchen haben die für ihre Verwandtschaft typische zweigartige Tarnform – und sind dabei gleichzeitig knallbunt.

A. manga ist eine von zwei neuen Arten der Stabschrecken, die Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München und der Universität Göttingen auf Madagaskar kürzlich entdeckt haben und im Fachblatt »Frontiers in Ecology and Evolution« beschreiben. Wirklich übersehen wurden die beiden ausgewachsen gut 20 Zentimeter langen Insekten allerdings nicht – nur verwechselt: A.-manga-Exemplare hatte man für Vertreter der sehr ähnlichen, seit gut eineinhalb Jahrhunderten bekannten Art Achrioptera fallax gehalten, den zweiten Neufund Achrioptera maroloko für die Stabschrecke A. spinosissima. Die Männchen dieser sicher nur genetisch unterscheidbaren Arten sind jedoch sämtlich unterschiedlich bunt und tarnen sich nicht, wie andere Stabschrecken, als unscheinbare Äste vor Feinden.

Buntes StabschreckenmännchenLaden...
Buntes Stabschreckenmännchen | Das Männchen von Achrioptera maroloko zeigt eine gelb-schwarze Warnfärbung.

Die Männchen dieser Phasmiden-Vertreter beschreiten damit einen anderen Weg als ihre Verwandten, die durch ihre Form vor Räubern geschützt sind. Unklar ist, warum sich die farbenprächtigen Arten ihren auffälligen Auftritt leisten können. Möglicherweise, so spekuliert der an der Arbeit beteiligte Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München, »nehmen sie mit ihrer Blätternahrung Pflanzengifte auf, die sie in ihrem Körper einlagern, und signalisieren mit ihrer Farbenpracht, dass sie nicht genießbar sind«. Die Tiere – und nur die Männchen – entwickeln ihre Farbenpracht allerdings erst nach der letzten Häutung zur erwachsenen Stabschrecke und sind vorher in Form und Farbe zweigähnlich unscheinbar. Vielleicht ist die Färbung also ein sexuelles Werbesignal. Unklar ist aber, ob die Weibchen der nachtaktiven Tiere das überhaupt gut wahrnehmen, geschweige denn bevorzugen, so die Forscher.

14/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 14/2019

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos