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Riffrekord: Breiteste Koralle im Great Barrier Reef entdeckt

Das größte Riff der Erde ist stark gefährdet, seine Bewohner sind aber auch hart im Nehmen. Die breiteste hier je gefundene Koralle etwa trotzt allen Widrigkeiten wohl seit über 400 Jahren.
Taucher schwimmen über der Rekordkoralle

Eine gigantische, sich über mehr als zehn Meter Meeresboden erstreckende Koralle ist im Great Barrier Reef vor der australischen Küste wohl über mehrere hundert Jahre herangewachsen. Es handle sich um die breiteste aller dort bisher dokumentierten Korallen, berichtet ein Team von Meeresbiologen im Fachmagazin »Scientific Reports«. Mit 5,3 Meter Höhe sei sie zudem die sechsthöchste vermessene Koralle des gesamten Riffs.

Die Steinkoralle nahe der Insel Orpheus Island gehört zur Gattung Porites. Etwa 30 Prozent ihrer Oberfläche sind mit Schwämmen und Algen bedeckt, wie die Gruppe um Adam Smith von der James Cook University in Douglas berichtet.

Das Wachstum von Porites-Korallen wird wesentlich von der durchschnittlichen Meeresoberflächentemperatur mitbestimmt. Die Forscher haben zusammen mit dem Australian Institute of Marine Science (AIMS) errechnet, dass die riesige Koralle ein jährliches Höhenwachstum von 1,21 Zentimetern erreicht. Dies lässt Rückschlüsse auf das Alter des Tiers zu: Bei der Höhe von 5,3 Metern dürfte die Koralle seit 438 Jahren an Ort und Stelle heranwachsen. Das AIMS hat bei 328 besonders großen Porites-Korallenkolonien bereits eine Altersbestimmung vorgenommen; die älteste Koralle kam dabei auf 436 Jahre. Die nun entdeckte, besonders breite Koralle ist damit auch eine der ältesten des Great Barrier Reef.

Forscher messen die Dimensionen der Rekordkoralle | Die Koralle ist der sechsthöchste Korallenturm im Great Barrier Reef. Hier messen Forscher mit dem Maßband nach.

Die große Steinkoralle hat nun einen eigenen Rufnamen: Die Wissenschaftler tauften sie »Muga Dhambi«, was in der Sprache der in der Gegend lebenden Manbarra-Aborigines »große Koralle« bedeutet. Muga Dhambi hat vermutlich 99 Korallenbleichen überstanden, die sich seit 1575 am Riff ereignet haben. Von 1858 bis 2008 wurden in dieser Gegend zudem 46 tropische Wirbelstürme registriert, die der Koralle offenbar nichts anhaben konnten. Die Zukunftsaussichten sind für die große Koralle und ihre Artgenossen allerdings nicht rosig, schreiben Smith und Kollegen mit Blick auf Entwicklungen wie »Klimawandel, abnehmende Wasserqualität, Überfischung und Küstenentwicklung am Great Barrier Reef«.

Das Great Barrier Reef ist das größte Riff der Welt und dehnt sich auf einer Fläche von mehr als 344 000 Quadratkilometern aus – damit ist es größer als Italien. Es ist vor allem durch den Klimawandel stark gefährdet: Die Vereinten Nationen haben in der Vergangenheit gewarnt, dass 90 Prozent aller Korallen auf der Welt absterben könnten, wenn die globale Temperatur um 1,5 Grad steigt.

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