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News: Ringelblumen-Lack und Insektizide aus Rapsöl

Die Massen-Grundstoffe der Erdöl- und Kunststoffchemie werden Pflanzenöle sicher nicht ablösen können - allein von der benötigten Anbaufläche her könnte der Bedarf nicht auch nur annähernd gedeckt werden. Und doch, in einigen entlegenen Marktsegmenten, in denen ökologische Vorzüge schwerer wiegen als preiswerte Herstellung, hat die Alternative Pflanzenöl eine berechtigte Chance - So lautet das Fazit der Abschlusskonferenz des EU-Projektes Chemisch-Technische Anwendungen für Pflanzenöle, die am 22. Juni 2000 in Bonn stattfand.
Das Vorhaben der Europäischen Union untersuchte, inwieweit sich Pflanzenöle in Anwendungsfelder etablieren und petrochemische Produkte möglicherweise ersetzen können. "Für nachwachsende Pflanzenöle bestehen zahlreiche Einsatzgebiete – Beispielsweise enthält Rapskeimöl so genannte Glucosinolate oder Senföl-Glykoside, die als organische Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau verwendet werden können", schildert Chemie-Ingenieur Finn Rexen vom dänischen Ministerium für Nahrungsmittel, Landwirtschaft und Fischerei. Pflanzen wie Raps dienen Senföl-Glykoside als natürliche Abwehrstoffe gegen Insekten und Pilze.

Auf der dänischen Insel Bornholm läuft eine erste Pilotanlage, in der das Bio-Insektizid aus Rapskeimen gewonnen wird, wenn auch nur in geringen Mengen. Schon bald, so ist Rexen überzeugt, könnten Glucosinolate Agrochemikalien als Pflanzenschutzmittel ablösen. "Ihre Vorteile sind: Sie wirken gegen eine ganze Reihe von Schadinsekten, sind biologisch gut abbaubar und sind – wie es scheint – für Warmblüter wie Vögel und Menschen harmlos", erklärt der Ingenieur.

Eine andere Pilotanwendung versucht, Metalle ohne leichtflüchtige Lösungsmittel zu reinigen. Bislang werden dazu Lösemittel wie Nitroverdünnung oder so genannte Kaltreiniger verwendet. Bei ihrer Verwendung verdunsten organische Kohlenwasserstoffe, die wiederum die Bildung von bodennahem Ozon – Auslöser des Sommersmogs – fördern. Biologische Fettsäureester machen den chemischen Reinigungskeulen jetzt gehörig Konkurrenz: Die Verbindungen entstehen aus Reaktionen zwischen einem pflanzlichen Öl und einem bestimmten Alkohol – und verdunsten nicht. Ihre Reinigungswirkung übertreffe synthetische Entfetter sogar zum Teil, meinen Experten des Pilot-Betreibers Blohm und Voss in Hamburg.

Ähnliche Lösungen sind auch für Lacke und Farben in Sicht. Auch sie tragen mit Lösungsmittelausdünstungen zum Sommersmog bei. So experimentiert Robert van Loo, Biologe der Landwirtschaftlichen Forschungsorganisation DLO in den Niederlanden, nicht mit Hanf, Raps oder Sonnenblumen, sondern mit der Ringelblume: " Wir versuchen, aus dem Samen der Calendula einen emissionsfreien Verdünner für Farben zu extrahieren." Mit einem Methylester der Calendula-Säure erhalte die Farbe eine wässrige Konsistenz und lasse sich daher leicht auf Holz auftragen. Doch auch hier ist die geringe Ausbeute aus den Pflanzen ein Problem. Neue Züchtungen sollen jedoch zukünftig den Säureertrag steigern. Dabei setzen die Öko-Chemiker auch auf die Gen-Technologie. Allerdings finde dieser Weg noch zu wenig Akzeptanz.

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