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Risikoreise: Mysteriöse Vogelart nach fast 100 Jahren wiederentdeckt

Der Sahel ist inzwischen zum Risikogebiet für Touristen und Forscher geworden. Zwei Franzosen haben sich dennoch hingewagt – und die Rostlerche endlich wiederentdeckt.
Ein Geländewagen fährt durch eine weite, trockene Savannenlandschaft unter einem bewölkten Himmel. Im Hintergrund sind vereinzelt Bäume zu sehen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Der Wagen wirbelt Staub auf, während er über das goldene Gras fährt.
Endlose Weiten kennzeichnen den Tschad – doch der Besuch ist nicht ungefährlich.

Der Trockengürtel zwischen Niger, Tschad und Sudan liegt wegen starker Sicherheitsbedenken und -risiken inzwischen abseits touristischer Reiserouten oder von Forschungsexpeditionen. Die beiden französischen Ornithologen Pierre Defos du Rau und Julien Birard haben diese Tour dennoch gewagt und wurden belohnt: In Trockensavannen des südlichen Tschads entdeckten und fotografierten sie die Rostlerche (Calendulauda rufa) – der erste gesicherte Nachweis der Art seit 1931. Bilder des Vogels finden sich in der Macaulay Library der Cornell University, die eine weltweite Datenbank an Vogelbildern und Gesangsaufnahmen betreut.

Den letzten Beleg der Vögel hatte der britische Naturforscher George Latimer Bates erbracht, als er im Mai 1931 einige Exemplare der Spezies im Niger gesammelt hatte. Seitdem galten die Lerchen als verschollen. Ein Bildnachweis aus dem Jahr 2017 wurde später neu untersucht und verworfen. Im Fall der Bilder von Defos du Rau und Birard bestätigte der Lerchenexperte Paul Donald von Birdlife International, dass die Vögel richtig bestimmt wurden. Wenig überraschend ist kaum etwas über die Art bekannt; sie gilt jedoch wegen ihres riesigen, potenziellen Verbreitungsgebiets als nicht gefährdet.

Die Art gehört zu einer Gruppe an Lerchen, die im nordafrikanischen Trockengürtel zwischen Atlantik und Indischem Ozean leben. Allein vier dieser Spezies gelten beim Projekt »Lost Birds« als verschollen, drei davon in Somalia. Wegen anhaltender Kriege, terroristischer Aktivitäten und schlechter Infrastruktur sind viele dieser Regionen praktisch unzugänglich für westliche Besucher. Entsprechende Expeditionen sind mit hohem logistischen Aufwand verbunden.

Im Rahmen der Suche nach diesen Vögeln, die teils seit mehr als 100 Jahren nicht gesichtet wurden, hatten Biologen jedoch in den letzten Jahren einige Erfolge aufzuweisen. Die Schwarznacken-Fasantaube (Otidiphaps insularis) etwa war 140 Jahre lang vermisst, bevor sie 2022 auf einer kleinen Insel vor Neuguinea wieder aufgespürt wurde. Auch aus Afrika gibt es entsprechende Funde wie den Gelbschopf-Brillenvangas (Prionops alberti), der allerdings nur rund 20 Jahre nicht mehr beobachtet worden war

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