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Prionenkrankheiten: RNA-Interferenz gegen Scrapie

An der Prionenkrankheit Scrapie erkrankte Mäuse leben länger, wenn das Gen für das Prionen-Protein in einem Großteil ihrer Zellen mit RNA-Interferenz ausgeschaltet ist. Das berichten Wissenschaftler um Alexander Pfeifer von der Universität Bonn.

Scrapie ist eine tödlich verlaufende neurodegenerative Krankheit bei Schafen – wie BSE bei Rindern oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen –, bei der Ablagerungen von so genannten Prionen das Hirngewebe zerstören. Prionen sind Varianten des Proteins PrPC, die lediglich anders gefaltet sind und in einer Kettenreaktion auch normale Versionen zum Umfalten anregen. Ein möglicher Behandlungsansatz könnte deshalb sein, die Produktion von PrPC abzuschalten.

Wissenschaftler hatten bereits gezeigt, dass Mäuse, denen PrPC komplett fehlte, gegen Scrapie geschützt waren. Die Tiere waren gesund, obwohl das Eiweiß möglicherweise wichtig bei der Regulation des Wachstums von Stammzellen im Gehirn und im Knochenmark ist. Die deutschen Forscher untersuchten nun, ob es auch schon ausreicht, das Protein nur in manchen Zellen zu unterdrücken.

Sie schufen Mäuse, die in unterschiedlich vielen Zellen das Gen für eine so genannte siRNA enthielten. Diese blockiert die Boten-RNA des PrPC und somit die Herstellung des Proteins. Fehlte das Eiweiß in zwei Drittel der Zellen, so lebten die Mäuse nach einer Scrapie-Infektion rund ein Drittel länger als Kontrolltiere.

Ob RNA-Interferenz tatsächlich einmal als Therapie von Prionenerkrankungen eingesetzt werden kann, ist jedoch noch ungewiss. Die nächste Frage wird sein, ob die siRNA sich auch positiv auf die Lebensspanne auswirkt, wenn sie in Zellen ausgewachsener Mäuse eingebracht wird. Keine leichte Aufgabe, denn Injektionen in das Gehirn von erwachsenen Tieren hatte in der aktuellen Studie die Produktion von PrPC kaum beeinflusst. (ahu)
05.12.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.12.2006

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