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Alzheimer: RNA zeigt Risiko für Demenz an

Drei regulatorische Erbgutstränge signalisieren Schäden im Gehirn vor dem Auftreten erster Symptome. Diese microRNAs könnten auch Ziel zukünftiger Therapien sein.
Magnetresonanzbild eines Gehirns

Drei kleine Erbgutstränge im Blut zeigen das Risiko für Demenz an, bevor sich erste Symptome zeigen. Eine Arbeitsgruppe um André Fischer vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Göttingen identifizierte drei microRNAs, deren Menge im Blut mit sinkender geistiger Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Wie das Team in der Fachzeitschrift »EMBO Molecular Medicine« berichtet, bestätigten Untersuchungen an Menschen vorherige Studien an Mäusen, die diesen Zusammenhang belegen. Unter Personen mit milden geistigen Einschränkungen entwickelten jene mit stark erhöhten Mengen der drei microRNAs zu 90 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Alzheimerdemenz. Die Fachleute vermuten außerdem, dass die Moleküle direkt am Geschehen beteiligt sind und deswegen auch Ziel zukünftiger Therapien sein könnten.

MicroRNAs sind kurze, einzelsträngige RNA-Moleküle, die in der Zelle unter anderem die Genaktivität regulieren. Die drei vom Team um Fischer gefundenen Stoffe sind an entzündlichen Reaktionen beteiligt und spielen zudem eine Rolle bei der neuronalen Plastizität, der Fähigkeit von Nervenzellen, neue Verbindungen untereinander zu bilden und alte abzubauen. »Nach unserer Einschätzung sind sie nicht nur Marker, sondern wirken auch aktiv auf pathologische Prozesse«, sagt Fischer laut einer Pressemitteilung des DZNE. Wenn man diese Moleküle bei Mäusen mit Medikamenten blockiere, verbessere sich das Lernvermögen. Bisher allerdings sind die Entdeckungen noch nicht klinisch nutzbar. Die in der Studie verwendete Messmethode ist zu komplex für praktische Anwendungen, und die Wirkstoffe, die sie blockieren, sind derzeit nicht als Medikament geeignet.

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