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Archäologischer Ausnahmefund: Römer waren in Germanien bis ins heutige Sachsen-Anhalt vorgestoßen

Angeblich waren römische Legionen bis an Elbe und Saale marschiert. Bisher fehlten handfeste Zeugnisse für solche Vorstöße tief ins Innere Germaniens. Nun haben Archäologen erstmals römische Lager in Sachsen-Anhalt entdeckt.
Ein Foto eines Bodenprofils, das verschiedene Erdschichten zeigt. Die Schichten variieren in Farbe von dunkelbraun oben bis zu helleren Tönen unten. Ein Maßstab in Form eines L-Winkels ist im Profil platziert, um die Tiefe der Schichten zu verdeutlichen. Die Oberfläche ist uneben und zeigt Spuren von Erdarbeiten.
Grabungen erhärteten den Verdacht: In Aken haben Archäologen einen Spitzgraben entdeckt, wie er für römische Lager charakteristisch ist. Er zeichnet sich im Grabungsprofil als beige-graue Verfärbung ab.

In Sachsen-Anhalt sind Fachleute auf vier Marschlager römischer Militäreinheiten gestoßen. Der Fund ist insofern überraschend, als die Region weit außerhalb der dauerhaften Einflusssphäre des römischen Imperiums lag. Die Lager aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr. belegen, dass Rom auch nach der verheerenden Niederlage in der Varusschlacht 9 n. Chr. noch weit in den Osten in germanisches Gebiet vordrang.

Konkret entdeckten Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Überreste von zwei Lagern in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, eines bei Trabitz im Salzlandkreis und eines bei Deersheim im Landkreis Harz.

»Das sind die bislang nordöstlichsten römischen Lager in dieser Region«, sagte Landesarchäologe Harald Meller der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Luftbilder verraten die Lage der Lager 

Auf die Lager wurden die Fachleute durch Luft- und Satellitenbilder aufmerksam. Beim Blick von oben offenbarten sich für römische Lager charakteristische Strukturen wie das Titulum, ein den Toren vorgelagertes Grabensegment mit Wall. Ebenso zeichneten sich in den Luftbildern die gerade verlaufenden Gräben an den Seiten der Lager sowie die gerundeten Partien an den Ecken ab.

Am Ende jedes Marschtages hoben die Legionäre eine Lagerumfassung aus, wobei sie den Aushub zu einem Wall aufschütteten. Diese Eingriffe lassen sich bis heute archäologisch nachweisen. Wie das Landesamt in einer Mitteilung schreibt, wurden bei Grabungen Spitzgräben von bis zu 1,8 Metern Breite und circa 1,5 Metern Tiefe gefunden.

Luftbild von Trabitz | Von links oben nach rechts unten ist in diesem Luftbild der gerade Verlauf des Lagergrabens zu erkennen. In der Mitte zeichnet sich der Eingang mit dem charakteristischen vorgelagerten Titulum ab.

Funde von Gewandnadeln und Münzen untermauern die römische Herkunft der Anlagen. Im Lager bei Trabitz entdeckten die Ausgräber zudem eine römische Münze aus der Zeit von Kaiser Caracalla, der von 211 bis 217 n. Chr. regierte. Eine Datierung von Fundstücken mittels der Radiokarbonmethode ergab ebenfalls ein Entstehungsdatum zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Roms Expeditionen ins freie Germanien

Zu diesem Zeitpunkt lagen die ersten Pläne der Römer, sich das gesamte rechtsrheinische Gebiet bis an die Elbe einzuverleiben, schon lange in der Vergangenheit. Diese Ambitionen waren ursprünglich bereits ab dem Jahr 13/12 v. Chr. gereift. Es kam in der Folge zu mehreren Vorstößen in das Elbe-Saale-Gebiet, die archäologisch durch einzelne Münzfunde belegt sind. Nach der Varusschlacht nahmen diese Bestrebungen ein abruptes Ende. Angesichts des Verlustes dreier Legionen gab Rom seine Eroberungspläne auf.

Römische Münzen | Bei den archäologischen Arbeiten bargen die Fachleute Münzen aus der Zeit von drei römischen Kaisern: Antoninus Pius, der von 138 bis 161 n. Chr. regierte, Marcus Aurelius (161–180 n. Chr.) und Caracalla (211–217 n. Chr.). Gezeigt sind die Münzen mit Vorder- (oben) und Rückseite (unten).

Die Schlacht markierte aber nicht das Ende römischer Anwesenheit. Archäologische Ausgrabungen, etwa am Harzhorn, deuten auf wiederholte Stippvisiten in germanischem Gebiet hin. Die neu entdeckten Marschlager belegen den Angaben des Landesamts zufolge, dass römische Truppen auch lange nach der Varusniederlage weit über den Limes hinaus operierten.

Sie decken sich auch mit Aufzeichnungen antiker Quellen, die beispielsweise einen Feldzug unter Kaiser Maximinus Thrax (Regierungszeit: 235–238 n. Chr.) erwähnen, der mehrere Hundert Meilen in germanisches Gebiet geführt habe. Auch ein Zusammenhang mit einem Feldzug Caracallas im Jahr 213 erscheint nach Einschätzung der Forscher möglich, so die dpa.

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