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Varusschlacht

Römisches Marschlager statt germanischer Hinterhalt?

Am mutmaßlichen Ort der Varusschlacht entdeckten Forscher nun einen römischen Graben: Errichteten die abgekämpften Legionäre noch kurz vor Ende ein Lager?
Hobby-Legionäre

Bei Ausgrabungen am mutmaßlichen Schauplatz der Varusschlacht in Kalkriese bei Osnabrück haben Archäologen die Überreste einer römischen Wallanlage entdeckt. Vermutlich handelte es sich dabei um eine provisorische Verteidigungsanlage, die die römischen Legionäre in der Endphase der mehrtägigen Schlacht anlegten. Bei der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. wurden drei römische Legionen von einem germanischen Stammesverbund vernichtend geschlagen.

Auf Grund ihrer Größe könnte die Anlage ungefähr 2000 bis 3000 Mann Platz geboten haben, schätzen die Wissenschaftler. Das bedeutet, dass nur ein kleiner Teil der bis zu 20 000 Mann starken römischen Armee hier Zuflucht gefunden hätte. Die für das römische Militär untypische unregelmäßige Form nehmen sie als Zeichen dafür, dass das Erdwerk in großer Hast angelegt wurde. Vermutlich nutzten die Verteidiger auch das Gelände zu ihrem Vorteil.

Bereits im Jahr 2016 waren an einer anderen Stelle erste Spuren des Walls samt vorgelagertem Graben aufgetaucht. In Verbindung mit dem nun entdeckten Abschnitt ändert sich offenbar die Interpretation des Schlachtfelds an einigen zentralen Punkten. Bislang hatten Forscher angenommen, dass die germanischen Truppen einen Wall angelegt hatten, von dem aus sie das römische Heer angreifen konnten. Dieser befestigte Hinterhalt galt als wichtiges taktisches Element, mit dem der Germanenführer Arminius die römische Übermacht in die Knie zwingen konnte. Die neuen Funde sprechen dafür, dass der vermeintlich germanische Wall in Wirklichkeit ein weiterer Bestandteil des römischen Lagers war.

Die Wissenschaftler werden ihre Rekonstruktion des Ablaufs der Schlacht wohl noch einmal überdenken müssen. Die grundsätzliche Identifizierung des Kalkrieser Fundplatzes mit dem Ort der Varusschlacht bleibt für den wissenschaftlichen Leiter der Ausgrabungen, Salvatore Ortisi von der LMU München, dennoch weiterhin gültig, heißt es in einer Mitteilung von »Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese«. Auch an der Datierung des Fundplatzes ändere sich durch die neuen Entdeckungen nichts. Weitere Grabungen könnten helfen, diese für Römer und Germanen entscheidende Schlacht genauer zu rekonstruieren.

39/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 39/2017

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