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News: Rote Liste

Das Bundesamt für Naturschutz legt heute die erste "Rote Liste gefährdeter Tiere" für Gesamtdeutschland vor. An der "Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands" haben über 450 Experten aus ganz Deutschland mitgearbeitet. Die Rote Liste drückt somit einen breiten, abgesicherten Fachkonsens aus.
Die "Rote Liste gefährdeter Tiere" ist die bislang umfassendste wissenschaftliche Expertise über die Situation der wildlebenden Tierarten im wiedervereinigten Deutschland. Von den rund 45000 heimischen Tierarten wurden mehr als 16000 Tierarten hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet.

Tierartengruppe Zahl der unter- suchten Arten bestands- gefährdete Arten*
– absolut
bestands- gefährdete Arten*
- prozentual
Säugetiere 100 33 33
Brutvögel2567027
Kriechtiere141179
Lurche211362
Fische2576626
Schwebfliegen42814935
Groß- schmetterlinge145045131
Bienen54723743
Ameisen1085955
Käfer6537263540
Libellen804455

*) "Bestandsgefährdet" faßt die Rote-Liste-Kategorien "gefährdet", "stark gefährdet" und "vom Aussterben bedroht" zusammen.

Beispiele für Bestandsentwicklungen

Säugetiere
Eine Verbesserung der Bestandssituation durch Naturschutzmaßnahmen hat sich zum Beispiel bei Fledermäusen (Mausohr, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus) eingestellt. Positiv ausgewirkt haben sich dabei der geringere Pestizideinsatz im Forst, Biotopvernetzungen im Siedlungsbereich, die Sicherung von Winterquartieren sowie die gesteigerte Akzeptanz bei Hausbesitzern mit Fledermausvorkommen im Dachraum von Wohnhäusern. Weitere Beispiele für eine positive Bestandsentwicklung sind der Seehund und der Biber. Verschlechtert hat sich die Bestandssituation beim Feldhamster, der Sumpfspitzmaus, der Zwergmaus und beim Feldhasen.

Vögel
Kormoran und Kranich werden nicht mehr in der Roten Liste geführt. Die Bestandsentwicklung bei Seeadler, Fischadler und Weißstorch hat sich ebenfalls verbessert. Diese positiven Trends gehen nicht zuletzt auf die Artenvorkommen in den ostdeutschen Gebieten zurück. Verschlechtert hat sich die Bestandssituation beim Kiebitz. Er wurde auf der Roten Liste aus dem Jahr 1984 noch nicht geführt und jetzt unter "gefährdet" eingestuft. Dies ist neben der Intensivierung der Grünlandwirtschaft auf die Veringerung der Brach- und Ödlandflächen zurückzuführen.

Fische
Bei Arten der Fließgewässer (z.B. Rapfen), den auf Kies laichenden Arten (z.B. Elritze) und den vom Meer in das Süßwasser wandernden Arten (z.B. Meerforelle) ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Diese positive Entwicklung kann unmittelbar auf die verbesserte Wasserqualität zurückgeführt werden. Bei Arten der Stillgewässer (z.B. Renken) gibt es eine Situationsverschlechterung. Hier wirkt sich insbesondere die Eutrophierung durch landwirtschaftliche Düngung belastend aus.

Großschmetterlinge
Der 1984 noch als "verschollen" geltende Frankfurter Ringelspinner konnte ebenso wie der Schwalbenschwanz in eine niedrigere Gefährdungskategorie eingestuft werden. Aufgrund der Wiedervereinigung zählt der Ringelspinner nun wieder zum aktuellen Faunenbestand Deutschlands. Der Rotbindige Samtfalter – 1984 "vom Aussterben bedroht" – wurde jetzt unter "ausgestorben bzw. verschollen" eingestuft. Dies ist neben anhaltender Trockenperioden auf ein Übersammeln zurückzuführen.

Zusammenfassende Bewertung

Bei allen bewerteten Tiergruppen ist eine deutliche Gefährdungssituation zu verzeichnen. Stabil positive Entwicklungen sind bislang nur punktuell bei einzelnen Arten erreicht worden. Zur Einleitung einer Trendwende bei der Gefährdung wildlebender Arten sind weitere Artenschutzprogramme erforderlich.

Um den Erfolg oder Mißerfolg im Artenschutz noch besser messen zu können, entwickelt das Bundesamt für Naturschutz zur Zeit einen "100- Arten-Korb" mit Arten, die eine besondere Indikatorfunktion für den Gesamtzustand haben. Einen weiteren neuen Baustein bildet die "Ökologische Flächenstichprobe", mit der aus Stichprobenerhebungen repräsentative Aussagen u. a. über den Zustand der Landschaft, die Zerschneidung, die Biotoptypenvielfalt, aber auch über die Artenvielfalt ausgewählter Lebensräume in ganz Deutschland getroffen werden können.

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