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Racetrack Playa: Rowdys ruinieren mysteriöses Naturphänomen

Die wandernden Steine im Death Valley sind ein Naturphänomen, dessen Ursprung lange ungeklärt war. Nun ist ein Autofahrer über den Standort gefahren und hat Spuren hinterlassen.
Wandernde Steine im Death ValleyLaden...

Racetrack Playa im kalifornischen Death Valley ist ein besonderer Ort: Hier "wandern" Steine, und erst vor wenigen Jahren konnten Wissenschaftler zufällig klären, warum sich die Felsbrocken überhaupt bewegen. Der Schauplatz ist ein relativ abgelegener, ausgetrockneter alter Seeboden, der nur über eine beschwerliche Buckelpiste erreicht werden kann. Dennoch fanden Vandalen den Weg dorthin, wie der US-amerikanische Landschaftsfotograf Kurt M. Lawson feststellen musste (hier auch Bilder). Er wollte das Phänomen fotografieren und fand stattdessen den Untergrund zerfurcht von zahlreichen Reifenspuren – trotz eines Verbots wurde Racetrack Playa mit einem Fahrzeug befahren und damit wohl für längere Zeit seines ursprünglichen Eindrucks beraubt. Das Gebiet darf sogar zu Fuß nur betreten werden, wenn der Untergrund absolut trocken ist; andernfalls prägen sich die Abdrücke im Boden ein und können dort sehr lange Zeit sichtbar bleiben.

Reifenspuren in Racetrack PlayaLaden...
Reifenspuren in Racetrack Playa | Ein rücksichtsloser Autofahrer befuhr trotz eines Verbots den alten Seeboden von Racetrack Playa. Unter den trockenen Bedingungen bleiben derartige Spuren lange erhalten.

Die Aufnahmen von Lawson zeigen, dass jemand mit seinem Auto großflächig Fahrübungen auf der Playa gemacht haben muss – das Gewicht eines Autos drückt selbst bei trockenem Boden in den Untergrund. Zahlreiche Fahrspuren führen jetzt durch das Gebiet; sie umrunden Felsinseln und überqueren auch die Originalspuren der Steine. Einer dieser Brocken wurde zudem mit den eingeritzten Initialen des Fahrers verunstaltet. Angesichts der klimatischen Bedingungen vor Ort können die Spuren mehrere Jahre überdauern, worauf auch die von den Steinen gezogenen Linien hinweisen, die ebenfalls sehr lange Zeiträume unbeschadet überstehen. Insgesamt reichen die Reifenspuren über mehr als zehn Kilometer und kreuzen große Teile des Gebiets, wie eine Auswertung der Nationalparkbehörde zeigt. Nach dem Verursacher wird gefahndet, doch die Erfolgsaussichten sind gering.

Damit sich die Steine bewegen, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Dazu muss es in diesem Teil des Death Valley so feucht und kalt sein, dass sich auf Racetrack Playa eine dünne Eisschicht bilden kann. Wenn sie mit Beginn des Sonnenaufgangs schmilzt, genügen schon leichte Winde, um die vom Eis eingebetteten Steine anzutreiben. Das Tal gehört jedoch zu den trockensten Regionen der Erde, und Regen kann über mehrere Jahre hinweg ausbleiben. Außerdem darf es nicht zu viel regnen, wie es 2015 und 2016 dank El Niño der Fall war. Dadurch erlebte das Death Valley eine spektakuläre Massenblüte, für die Steine war es aber wohl zu nass. Laut Abby Wines vom Nationalpark wird womöglich versucht, den Schaden zumindest teilweise manuell zu beheben. Dazu müssten Ranger allerdings zu Fuß mit Wassertanks und Sprühflaschen auf die Playa und die Spuren anfeuchten, so dass sich die Kruste am Boden regeneriert. Doch das Unterfangen sei mühselig, da man nicht einfach einen Wassertanklastwagen nach Racetrack Playa schicken könne.

39/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 39/2016

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