Rückblick auf die Sonnenaktivität im März 2026 : Langsamer Start, furioser Endspurt

Weiterhin zeigt uns die Sonne unterschiedliche Gesichter. Im Lauf ihrer fast vier Wochen dauernden Rotationsperiode sehen wir von der Erde aus abwechselnd Gebiete mit geringer und größerer Aktivität. Der März 2026 bot ein weiteres Beispiel für dieses scheinbare Auf und Ab. Eine auf den gesamten Monat bezogene Sonnenfleckenrelativzahl R eignet sich somit nur bedingt zur Charakterisierung der Sonnenaktivität, da sie ja nur einen Mittelwert bildet. Das Beobachternetz der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) ermittelte für den Monat März eine vorläufige Relativzahl von 88,6, nach nur 70,3 im Februar, aber 109,4 noch im Januar dieses Jahres. Die Auswertung erfolgte gemäß der aktuellen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC) in Belgien.
Obwohl die Fleckentätigkeit im letzten Märzdrittel atemberaubend anstieg, lag die Relativzahl nur geringfügig höher als der Wert für den Vormonat. Im Februar wurde wiederum eine starke Abnahme von R gegenüber dem Januar registriert, obwohl sich in der ersten Februarwoche eine besonders aktive, große Fleckengruppe präsentierte. Nach dem Ablauf einer Rotationsperiode Anfang März hatte sie keinen großen Auftritt mehr; deshalb begann der Frühlingsmonat so ruhig, wie sich der Februar in seiner zweiten Hälfte gezeigt hatte (siehe »Verhaltener Auftakt«).
Zunächst waren auf der Nordhalbkugel der Sonne drei Gruppen zu sehen, während sich der Süden praktisch fleckenfrei zeigte. Dieses mäßige Niveau blieb, mit wechselnder Fleckenbesetzung, während der ersten drei Märzwochen unverändert. Ab dem 22. März kam es jedoch zu einer spannenden Veränderung: Auf der Rückseite der Sonne hatte sich eine ganze Reihe neuer Fleckengruppen gebildet, die nun am Ostrand erschienen. Bei klarer Sicht und in Phasen ruhiger Luft ließ sich das Geschehen mit einem Teleskop gut verfolgen (siehe »Überraschende Entwicklung«). Man darf also die Aktivität unseres Zentralgestirns noch längst nicht abschreiben, auch wenn ihre Verschnaufpausen den langsamen Abstieg ins Minimum belegen.
Ähnlich sieht es bei der Eruptionstätigkeit aus. Sie war Anfang Februar noch besonders ausgeprägt, was aber hauptsächlich der erwähnten hochaktiven Fleckengruppe zu verdanken war. Im März blieb es zunächst sehr ruhig; erst am 16. und 18. März wurde je ein Strahlungsausbruch (englisch: flare) der zweitstärksten Klasse M beobachtet. Am frühen Morgen des 30. März kam eine weitere kräftige Eruption hinzu. Je nach Methodik rangierte ihre Intensität zwischen den Klassen M7 und X1; somit fiel sie möglicherweise in den unteren Bereich der stärksten Flare-Kategorie X. Damit lag die Flare-Aktivität im Rahmen der Vormonate – von der sehr hohen Eruptionstätigkeit in der ersten Februarwoche einmal abgesehen.
In ruhigeren Phasen lassen sich mit einem Spezialfilter für den Spektralbereich der roten Wasserstofflinie H-alpha oft schöne Randprotuberanzen beobachten (siehe »Leuchtende Wasserstoffwolken«). Bei diesen leuchtenden Filamenten handelt es sich um ursprünglich heißes Plasma aus der Sonnenkorona, das auf stabilen magnetischen Feldern ruht und sich hierbei langsam abkühlt. Es tut sich also immer noch viel auf der Sonne, und auf Flauten folgen immer wieder auch aktivere Zeiten. Die Beobachtung unseres wechselvollen Tagesgestirns bleibt daher auch in den kommenden Jahren interessant (siehe »Wie geht es weiter?«).
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