Rückenlage: Entspannung für Walmütter

Mutterschaft kann anstrengend sein. Ab und zu eine Pause einzulegen, ist für Mütter vieler Arten – einschließlich Walen – dringend notwendig. Und genau das könnte der Grund für eine eigenartige Gewohnheit einiger Südkaper (Eubalaena australis) sein: Sie sind die einzige Walart, von der bekannt ist, dass sie sich auf den Rücken dreht.
»Das ist definitiv ein ungewöhnliches Verhalten«, sagt Renae van Noort, Naturschutzbiologin an der University of Western Australia. »Es sieht ziemlich seltsam aus, vor allem wenn man sie aus der Ferne sieht, wie ihre Brustflossen aus dem Wasser ragen.«
Mütter der Südkaper führen ein extremes Leben. Sie verbringen Monate damit, in der Antarktis Nahrung aufzunehmen und Energie zu speichern. Dann begeben sie sich auf lange Wanderungen zu ihren Kalbungsgebieten, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen und versorgen – all das monatelang und ohne zu fressen. In dieser entscheidenden Zeit wird das Ausruhen und das Sparen von Energie zu einer Frage von Leben und Tod, denn sie benötigen genug Energie sowohl für die Ernährung ihrer Jungen als auch für die Rückreise zu ihren Nahrungsgründen, wo sie endlich wieder fressen können.
Van Noort und ihr Team beschlossen, genauer zu untersuchen, wie diese Walmütter Energie sparen. Dafür filmten sie diese und ihre Kälber mit Drohnen in der Bucht von Head of the Bight in Südaustralien, wo sich die Südkaper versammeln und ihre Jungen zur Welt bringen. Rund 75 Stunden Filmmaterial von 90 Mutter-Kalb-Paaren zeigten, dass die Mütter durchschnittlich 33 Prozent ihrer Zeit mit Ausruhen verbrachten, berichtete das Team am 6. Juli in der Fachzeitschrift »Mammalian Biology«. Auch die Kälber ruhten sich aus – meist zur gleichen Zeit wie ihre Mütter.
Am häufigsten ruhten sich die Wale aus, indem sie mit dem Rücken nach oben an der Oberfläche oder unterhalb davon trieben. Einige Mütter – 25 Prozent der Beobachteten – verfolgten jedoch auch eine andere Strategie: Sie drehten sich zum Ausruhen auf den Rücken. »Wir sind uns noch nicht sicher, warum manche Mütter auf diese Weise ruhen und andere nicht«, sagt van Noort.
Dieses Verhalten tritt nur bei Südkapern auf. Das könnte daran liegen, dass Mütter anderer Arten auf andere Weise Energie sparen, sagt Malin Lilley, eine vergleichende Psychologin an der Texas A&M University, die nicht an der neuen Studie beteiligt war. »Oder vielleicht ruhen sie sich ausgerechnet nicht in den Lebensräumen aus, die von menschlichen Aktivitäten ungestört sind, wie es bei dieser bestimmten Population der Südkaper der Fall ist«, fügt sie hinzu. Das Drehen auf den Rücken macht Wale nämlich anfälliger dafür, von Schiffen gerammt zu werden.
Mütter drehten sich nur selten – gerade einmal 2 Prozent der Zeit – auf den Rücken, sowohl unter als auch über der Wasseroberfläche. Das Team dokumentierte dieses Verhalten nur bei stillenden Müttern und einer trächtigen Walin, was darauf hindeutet, dass das Einnehmen dieser Position für Walmütter möglicherweise nichts weiter als eine Möglichkeit ist, sich eine Pause zu gönnen. Wenn sie auf dem Rücken liegen, können ihre Kälber die Milchschlitze nicht erreichen, um Milch zu trinken – was bedeutet, dass die Mütter selbst entscheiden können, wann es Zeit zum Stillen ist.
Das Liegen auf dem Rücken könnte auch zur Regulierung ihrer Körpertemperatur beitragen, indem die frische Luft, die auf ihre Flossen trifft, für Abkühlung sorgt.
Lilley sagt, dass zukünftige Forschungen untersuchen könnten, wie und wann Walmütter lernen, sich in dieser Position auszuruhen. »Möglicherweise lernen sie es von ihren eigenen Müttern, aus früheren Erfahrungen mit ihren Kälbern oder vielleicht durch die Beobachtung anderer Mütter«, sagt sie.
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