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Sachsen-Anhalt: Die Biberpelzjäger von Alsleben

Archäologen haben etwa 7000 Jahre alte Überreste von Bibern entdeckt. Offenbar hatten Steinzeitjäger damals zwölf Tiere zur selben Zeit erlegt.
Eine archäologische Ausgrabungsstätte mit freigelegten Knochenresten auf sandigem Boden. Links im Bild ist ein Maßstab zu sehen.
Bei Grabungen in Sachsen-Anhalt haben Archäologen einen seltenen Fund gemacht: eine Grube voller Biberknochen aus der frühen Jungsteinzeit.

Vor etwa 7000 Jahren, in der frühen Jungsteinzeit, erlegten ein oder mehrere Jäger dort, wo heute Alsleben im Salzlandkreis liegt, mindestens zwölf Biber. Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt haben die Überreste der Tiere aus einer Grube geborgen, wie die Behörde in einer Pressemitteilung berichtet. Der außergewöhnliche Fund deutet darauf hin, dass die Biber für ihr Fell gejagt wurden.

Am Fundplatz, oberhalb der Saale bei Alsleben, legten die Fachleute zahlreiche Pfostenlöcher, Vorratsgruben und Gräber frei – und dazwischen eine etwa 80 Zentimeter weite Grube, angefüllt mit Knochen. Was sich genau in der Erde verbarg, ließen bei der Ausgrabung Schädel mit gelblich-braun verfärbten Schneidezähnen erahnen: Es handelte sich um die Knochen von Bibern. Bei diesen Tieren ist Eisenoxid im Zahnschmelz eingelagert, was die Zähne verfärbt.

Die Archäologen hatten die Grube bereits 2024 entdeckt, allerdings bargen sie die Knochenansammlung im Block und legten sie anschließend unter Laborbedingungen frei. Eine 14C-Datierung der Knochen ergab, dass die Überreste zwischen 4935 und 4787 v. Chr. in die Grube gekippt wurden. Ein zuvor geborgenes Feuersteinartefakt deutete bereits auf ein jungsteinzeitliches Alter des Fundes hin.

Die Biberknochen lagen nicht im anatomischen Verbund; die Kadaver dürften demnach bereits skelettiert und zerfallen gewesen sein, als sie entsorgt wurden. Wie die Untersuchung der Knochen ergab, waren die Tiere unterschiedlich alt gewesen: zwischen dem ersten und achten Lebensjahr.

Biberzähne | Zwischen den vielen Knochen waren die rötlich-braun gefärbten Biberzähne deutlich zu erkennen.

Die Biber wurden vermutlich zur selben Zeit erlegt

Aus dem Befund schließen die Fachleute, dass die Überreste von einem einmaligen Ereignis zeugen. Gejagt wurden die Biber wohl für ihr Fell. Nach Ansicht der Archäologen hatte man die Tierkörper gehäutet und zwischengelagert, bis sie zerfallen waren, und dann in die Grube entsorgt. Womöglich war all das Teil einer spezialisierten Jagdstrategie. Die Biberpelze hätten die Menschen der Jungsteinzeit als Kleidung getragen.

Zur Zeit der Bibergrube, in der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr., lebten Menschen der Stichbandkeramischen Kultur in der Region des Salzlandkreises. Der Name ist modern und leitet sich von den damals verwendeten Tongefäßen ab. Die Menschen waren als Bauern tätig – so wie ihre Vorfahren, die ein halbes Jahrtausend zuvor in eine Region eingewandert waren, die bis dahin von Jägern und Sammlern bewohnt gewesen war.

Die Grabungen bei Alsleben waren nötig, weil auf den untersuchten Flächen die Kabel der Gleichstromtrasse Südostlink verlegt werden sollten. Die Trasse durchquert auf 170 Kilometern Sachsen-Anhalt und führt durch Altsiedelland mit fruchtbaren Böden, die Menschen seit Jahrtausenden nutzen.

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