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Paläontologie: Säbelzahntiger starben in sozialen Grüppchen

Säbelzahntiger
Die am Ende der Eiszeit ausgestorbenen Säbelzahntiger (Smilodon fatalis) haben in Gruppen gelebt und gejagt, meinen Chris Carbone von der Zoological Society of London und seine Kollegen. Darauf deute die Tatsache hin, dass die großen Raubkatzen einst an lebensgefährlichen, aber für sie wegen des Beutereichtums verlockenden Orten auch gemeinsam massenhaft verendeten – ganz so, wie dies auch bei heute jagenden sozialen Großkatzen in analogen Szenarien geschehen würde.

Potenzielle Todesfallen für die Tiere stellten über viele Jahrtausende die Asphaltgruben von Rancho La Brea dar, die heute eine Besucherattraktion mitten im Stadtgebiet von Los Angeles sind. In diesen Gruben sammelte sich einst Erdöl, das nach dem Verdampfen der flüchtigen Bestandteile zu einer zähen, teerigen Masse wurde. Schon im Pleistozän gerieten oft Tiere und Pflanzen in diese Gruben, verendeten und wurde für die Nachwelt konserviert. Die heute in den verschiedenen Sedimentschichten gefundenen Überreste bilden somit einen repräsentativen Querschnitt der lokalen Flora und Fauna eines begrenzten Zeitfensters.

Carbones Team hat sich nun das Artenspektrum von 3324 der dort häufig gefundenen Säbelzahntigerskelette und der gleichzeitig mit ihnen verendeten Spezies genauer angesehen. Zudem stellten die Wissenschaftler die vermutete Eiszeitsituation am tödlichen Teerloch unter heutigen Bedingungen in zwei verschiedenen Nationalparks nach. Dazu lockten sie die heute in Afrika lebende lokale Beutegreiferpopulation aus Löwen, Hyänen, Geiern und Co mit der Hilfe von Tonbandgeräten an. Über den Lautsprecher schallte dabei ein Soundmix der Rufe verendender Beutetiere, unterlegt von den Geräuschen fressender und um Beute feilschender Carnivoren.

Dies lockte tatsächlich Räuber verschiedener Größen an. Im Spektrum der insgesamt 4491 herbeigeeilten Tiere finden sich dabei prozentual immer deutlich mehr in Gesellschaft jagende kleine Räuber wie der Schakal sowie ebenfalls im Rudel lebende, große Fleischfresser wie der Löwe. Jagende Einzelgänger wie Leoparden oder Wildkatzen waren dagegen selten, werteten die Forscher aus. Exakt dieselbe prozentuale Zusammensetzung spiegelt auch die Gesellschaft der in den Rancho La-Brea-Teergruben verendeten Tiere wieder, beobachten Carbone und Co – allerdings nur dann, wenn man die Säbelzahntiger zur Gruppe der großen sozialen Raubtiere rechnet.

Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass die Tiere einst tatsächlich in Gruppen gejagt haben. Diese Vermutung hatten schon andere Forscher zuvor aufgestellt und unter anderem damit begründet, dass viele gefundene Skelette der Großkatzen lange vor ihrem Tod verwachsene Knochenbrüche aufweisen. Solche schweren Verletzungen verhindern die effektive Jagd und konnten von betroffenen Tieren wohl nur überlebt werden, wenn sie zumindest zeitweise von anderen Rudelmitgliedern mit Nahrung versorgt wurden.

Die La-Brea-Teergruben sind eine der fossilienreichsten Fundstellen des Pleistozän. Auffällig ist, dass 90 Prozent der in ihnen gefundenen Säugetiere fleischfressende Räuber waren, dazu kommen ebenfalls überrepräsentativ viele Greifvögel und Aasfresser. Offensichtlich erklärt sich die außergewöhnliche Artenzusammensetzung damit, dass immer wieder ganze Rudel von Räubern von einzelnen in den Asphaltgruben langsam verendenden Beutetieren angelockt wurden. Dies muss nicht einmal allzu häufig passiert sein: Um die beobachtete Masse an Knochenfunden zu erklären reicht es aus, dass sich über einen Zeitraum von 30 000 Jahren nur alle zehn Jahre eine Teertiertragödie ereignete. (jo)

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