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Säugetiere: Machten ausgestorbene Riesenkängurus auch Riesensprünge?

Waren sie zu groß zum Springen? Die ausgestorbenen australischen Riesenkängurus waren womöglich doch agiler als gedacht.
Ein Känguru springt durch die australische Wüstenlandschaft bei Sonnenuntergang. Im Hintergrund sind Bäume und Sträucher zu sehen, die in warmem Licht leuchten. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Natur.
Die heute noch lebenden, großen Känguruarten können alle springen.

Heutige Kängurus wirken geradezu leichtfüßig, verglichen mit ihren ausgestorbenen Verwandten aus der Gattung Protemnodon: Diese wogen bis zu 240 Kilogramm und waren zwei bis drei Meter groß – und damit deutlich größer als die noch lebenden Roten und Grauen Riesenkängurus. Doch trotz ihres großen Gewichts konnten wohl auch die großen Vertreter von Protemnodon springen, was bislang ausgeschlossen worden war. Ein Team um Megan Jones von der University of Manchester widerlegt diese Annahme nun jedoch, nachdem es fossile Skelette dieser Tiere neu untersuchte und mit denen lebender Verwandter verglich.

Um Aussagen treffen zu können, wie beweglich die früheren Riesenkängurus waren, hatte man den Körperbau heutiger Arten schlicht nach oben skaliert. Daraus folgerte man, dass Protemnodon zu schwer war, um hüpfen zu können – während Rote Riesenkängurus beispielsweise Sätze bis zu 13 Meter machen können. Als maximale Last für die Hinterbeine galt eine Obergrenze von 150 Kilogramm Gewicht. Doch diese Ableitung berücksichtigte tatsächliche anatomische Abweichungen im Knochengerüst zu wenig, so Jones’ Arbeitsgruppe.

Stattdessen analysierten die Wissenschaftler die Knochen von 94 heutigen und 40 fossilen Exemplaren aus 63 Arten an Kängurus und Wallabys. Diese Daten setzten sie in Bezug zum jeweiligen Gewicht und dem Durchmesser des vierten Mittelfußknochens dieser Beuteltiere: Er ist verlängert und entscheidend dafür, ob und wie die Kängurus hüpfen können. Darüber ermittelten die Forscher, ob die ausgestorbenen Riesenkängurus ausreichend dicke Sehnen besaßen, um diese Sprünge auszuhalten, ohne zu reißen. Protemnodon wiesen demnach kürzere und dickere Fußknochen als heutige Verwandte auf und besaßen relativ breite Fersenbeine, die entsprechend für sehr kräftige Sehnen ausgelegt waren.

Letztlich zeigte sich, dass die Giganten ebenfalls zum Sprung in der Lage waren. Die dicken Sehnen waren jedoch weniger elastisch und die hüpfende Bewegung dadurch ineffizienter. Protemnodon konnte also durchaus hüpfen, aber nutzte dies wohl seltener und eher über kurze Distanzen. Heutige Riesenkängurus können damit jedoch große Strecken ausdauernd und schnell zurücklegen. Die ausgestorbenen Vertreter nutzten Sprünge wahrscheinlich, wenn sie fliehen mussten, etwa um Fressfeinden wie den Beutellöwen zu entgehen.

Protmenodon existierten während des Pleistozäns zwischen 2,6 und 11 700 Jahren vor heute. Damals starben sie wie zahlreiche andere Vertreter der australischen Megafauna aus. 

  • Quellen
Jones, M. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–025–29939–7, 2026

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